Ministerpräsidentenamt
Stoiber bremst seine Nachfolge-Kandidaten

Obwohl völlig offen ist, ob der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nach Berlin wechselt, scharren mögliche Nachfolger bereits vernehmlich mit den Hufen. Stoiber ist nun bemüht, die Debatte um seine Erbschaft möglichst klein zu halten.

HB MÜNCHEN. Stoiber bezeichnete sowohl den bayerischen Innenminister Günther Beckstein als auch Staatskanzleichef Erwin Huber, die als favorisierte Anwärter für das Ministerpräsidentenamt gelten, als "hervorragend geeignete Kandidaten". Eine Entscheidung stehe aber erst an, "wenn in Berlin eine große Koalition zustande kommt und klar ist, wie die CSU in dieser Regierung vertreten ist". In diesem Fall "werde ich mit beiden Ministern und weiteren Verantwortlichen vor der Entscheidung der Landtagsfraktion ein Gespräch führen", so Stoiber. Solche "Personalentscheidungen sind derzeit nicht aktuell", sagte der CSU-Chef.

Huber hatte zuvor erklärt, er werde für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren, wenn Stoiber nach Berlin wechsle. "Dann trete ich an", sagte Huber der "Passauer Neuen Presse". In der Landtagsfraktion war bisher meist Beckstein als Favorit für das Amt des Regierungschefs genannt worden. Beckstein sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Wenn Edmund Stoiber dezidiert weggeht, ist der Zeitpunkt da, dass Erwin Huber und ich das mit Stoiber besprechen." Es sei nicht optimal, die Auseinandersetzung über die Medien zu führen. Vielleicht habe sich Huber geärgert, dass in letzter Zeit so viel über ihn, Beckstein, in den Zeitungen zu lesen gewesen sei, sagte der Innenminister.

Stoibers Zusage mit Hintertürchen

Zuvor hatte Stoiber erklärt: "Wenn es zu einer großen Koalition kommt und die Konstellationen stimmen, bin ich dabei.", sagte der Ministerpräsident. Gleichzeitig verstärkte sich der Druck aus München auf Stoiber, nach Berlin zu gehen. So plädierte der Chef der CSU-Landtagsfraktion, Joachim Herrmann, für einen Wechsel. Weil eine große Koalition rechnerisch nicht auf die Christsozialen angewiesen sei, müsse der CSU-Chef ins Bundeskabinett, sagte Herrmann der "Zeit".

Auch der bayerische Landtagspräsident Alois Glück sowie der Vorsitzende der bayerischen Jungen Union, Manfred Weber, sprachen sich für einen Wechsel ihres Parteichefs nach Berlin aus. "Wenn Edmund Stoiber nach Berlin ginge, müsste das Kabinett in Bayern umgebildet werden", sagte Weber. "Das würde Durchzug bringen und zu einem neuen Durchstarten führen."

Minister für Infrastruktur am realistischsten

Gleichzeitig setzten Spekulationen ein, welches Amt Stoiber in Berlin bekleiden könnte. Bereits früher war er sowohl für die Posten eines Superministers als auch des Außenministers gehandelt worden. Weil er am Mittwoch in München den niederländischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende empfing und einen "Kurswechsel in der deutschen EU-Politik" forderte, wurden ihm zunächst neue Ambitionen auf das Außenamt nachgesagt. Allerdings verwies man in München darauf, dass der Termin bereits seit langem geplant gewesen war.

Realistischer dürften ohnehin Überlegungen sein, dass Stoiber in einer großen Koalition eine Art Infrastrukturministerium leitet. Dieses könnte neben dem Bereich Wirtschaft auch Verkehr und Forschung umfassen. Nachgesagt wird Stoiber zudem Sympathie für das Innenministerium. Dass er den Posten des Bundesfinanzministers akzeptieren würde, gilt dagegen als ausgeschlossen. Angesichts der absehbaren Einschnitte im Staatsetat, die eine neue Regierung zur Haushaltssanierung tätigen müsste, gilt dies als besonders undankbarer Posten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%