Miserable Wirtschaftslage
Berlin kann Hauptstadtbonus nicht nutzen

"Büroflächen zu vermieten." Solche und ähnliche Schriftzüge sind keine Seltenheit in Berlins Mitte: Kurz vor der Wahl, im Sommer dieses Jahres, stand mehr als jedes zehnte Büro in der Hauptstadt leer. Diese Quote wird sich in den kommenden Jahren deutlich langsamer reduzieren als in anderen deutschen Großstädten.

DÜSSELDORF. Das besagt eine noch unveröffentlichte Analyse der Deka-Bank, die dem Handelsblatt vorliegt. Ausschlaggebend für die Prognose ist vor allem eines: Die wirtschaftliche Schwäche Berlins.

"Berlin hat den Hauptstadtbonus - kann ihn aber seit mehr als zehn Jahren nicht nutzen", sagt Deka-Volkswirt Patrick Gilles. Pluspunkte der Stadt seien zwar die, verglichen mit anderen deutschen Großstädten, niedrigen Arbeitskosten sowie die in den vergangenen Jahren sinkende Verschuldung der öffentlichen Haushalte bei einem gleichzeitig verbesserten Steueraufkommen. Als Negativfaktoren zählt er aber die hohe Arbeitslosigkeit und die geringe Zahl an Ausbildungsplätzen auf.

Auch das in Berlin ansässige Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beschreibt den Zustand der Hauptstadt als desaströs - und das sogar im europäischen Vergleich: "Sowohl das Tempo des Wirtschaftswachstums Berlins als auch das Niveau ist derzeit wie auch in den letzten Jahren vergleichbar mit europäisch schwachen Städten wie Neapel oder Sevilla", meint DIW-Regionalökonom Kurt Geppert. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner sei in der Hauptstadt in den Jahren 1995 bis 2005 nominal um zwei Prozent gewachsen. Im Bundesdurchschnitt legte es dagegen um 20 Prozent zu.

Die mangelnde Industrie gilt als Hauptproblem. Gerade einmal 11,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Berlins arbeiten laut Statistischem Landesamt im verarbeitenden Gewerbe - bundesweit liegt der Anteil bei über 25 Prozent. Gab es 1995 noch mehr als 1 100 Industrieunternehmen in Berlin, sind es inzwischen rund 300 weniger. "Berlin war zum Zeitpunkt der Vereinigung weit davon entfernt, wirtschaftlich lebensfähig zu sein", sagt Geppert. Der Osten der Stadt habe sich vom Sozialismus zum Kapitalismus, der Westen von einer jahrzehntelang subventionierten Inselwirtschaft zu einer Marktwirtschaft entwickeln müssen. "Beides geht nicht von heute auf morgen." Das zeigt auch die aktuelle Arbeitslosenstatistik: Die Arbeitslosenquote lag im August laut Berliner Arbeitsagentur für Arbeit bei hohen 17,4 Prozent.

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