Missstimmung auf dem CSU-Parteitag
Seehofers Geist geht in München um

Der Sozialexperte Horst Seehofer kam am Freitag, wie tags zuvor mit seinem Parteichef Edmund Stoiber vereinbart, nicht zum CSU-Parteitag. Dennoch beherrscht er mit seinem Protest gegen den Gesundheitskompromiss mit der CDU auch in Abwesenheit das zweitägige Delegiertentreffen in den weitläufigen Münchner Messehallen.

HB MÜNCHEN. Eigentlich will CSU-Chef Edmund Stoiber den Parteitag zum Jubelfest der wiedergewonnenen Eintracht machen. Doch ein diffuses Unbehagen liegt in der Luft. Viele Delegierte ärgern sich - über Seehofer, über den Gesundheitsstreit, über den Kompromiss, über ihre Parteispitze.

CSU-Parteitage haben häufig eine eigene Dynamik - vorher wird kräftig geschimpft, auf dem Treffen selbst gejubelt. Dieses Mal ist zu Beginn von Jubelstimmung nichts zu spüren - eine Messe in Moll. Stoiber müht sich nach Kräften. Er legt sich für den umstrittenen Gesundheitskompromiss mit einer Leidenschaft ins Zeug, wie sie der spröde Oberbayer sonst selten zeigt.

Der CSU-Chef hat den Verbleib seines Stellvertreters Seehofer in der Spitze von Partei und Unions-Bundestagsfraktion trotz des Streits über die Gesundheitspolitik als Beitrag zur Geschlossenheit der Union verteidigt. Es sei aber klar, dass niemand Sprecher der Union für einen Bereich sein könne, wenn seine Position dabei dem Kurs von CDU und CSU so grundlegend widerspreche. Stoiber habe aber trotz der fundamentalen Kritik Seehofers an dem Gesundheitskonzept der Union alles getan, damit der Sozialexperte seine Ämter behält. „Das wird so sein. Damit bleiben CDU und CSU in hohem Maße geschlossen“, sagte der Parteichef.

„Wer letzten Endes diesen Kompromiss ablehnt, der riskiert einen massiven Bruch zwischen CDU und CSU. Das verantworte ich nicht“, erklärte Stoiber dann aber auch - eine volle Breitseite auf Seehofer, obwohl der CSU- Chef seinen Vize nicht beim Namen nennt. In der Parteispitze gelte es „nicht als Majestätsbeleidigung“, wenn jemand eine andere Meinung habe. „Aber am Ende muss entschieden werden.“ Stoiber lobt den Kompromiss als fair und tragfähig. „Ich bin ja auch kein Traumtänzer. (...) Wer sich damit befasst, kann dem Konzept nur seine Zustimmung geben“, sagte er. „Künftig weiß jeder, wieviel er für seine Gesundheit höchstens zu zahlen hat - nämlich sieben Prozent seines Einkommens.“ Doch er erhält ausgesprochen dünnen Beifall von den knapp 1000 Delegierten.

Seite 1:

Seehofers Geist geht in München um

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%