Missstimmung in der Großen Koalition: SPD und CDU streiten über Atomenergie

Missstimmung in der Großen Koalition
SPD und CDU streiten über Atomenergie

Immer wieder knistert es in der Großen Koalition beim Thema Atomenergie. Jetzt warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der SPD mangelnden Realismus vor; SPD-Chef Kurt Beck hingegen lehnt es ab, an der Technolgie festzuhalten.

HB BERLIN. Merkel bemängelte, die Sozialdemokraten hätten es bisher versäumt, einen ausreichenden Ersatz für die Atomenergie zu benennen. Sie warf der SPD vor, sich der Wahrheit zu verweigern: „Wer, wie die SPD, sehr schnell aus der Atomstromerzeugung aussteigen will, muss auch sagen, wie er die dann fehlende Energie ersetzen und die Gefahr weiterer CO2-Emissionen vermeiden will“, sagte die Bundeskanzlerin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und fügte hinzu: „Das ist eine Diskussion, bei der sich alle den Wahrheiten stellen müssen.“ Die Regierungschefin kündigte indirekt an, dass in Kürze in der großen Koalition über die weitere Nutzung von Atomkraft diskutiert werden solle: „Wir erarbeiten im Rahmen des laufenden Energiegipfel-Prozesses unser Energiekonzept bis zum Jahr 2020, rechnen unterschiedliche Szenarien durch und wollen im Sommer mit allen Beteiligten darüber reden.“

SPD-Chef Kurt Beck hingegen drängte zum Ausstieg aus der Technologie. „Ich bin dagegen, an der Atomkraft festzuhalten“, sagte der SPD-Chef der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Denn das ist schon deshalb keine Zukunftstechnologie, weil es Uran auch nicht viel länger geben wird als Öl und Gas. Zudem wird Uran in Ländern abgebaut, die gleichermaßen politisch unsicher sind wie viele Öl- und Gasstaaten“, sagte Beck. Außerdem sei das Risiko nuklearer Unfälle zu groß. Er riet der Union davon ab, die Atomenergie im Wahlkampf zu thematisieren: „Nein, für Atomkraft zu streiten ist kein Gewinnerthema.“

Umweltstaatssekretär Michael Müller warf den vier großen Energiekonzernen Eon, EnBW, RWE und Vattenfall vor, in erster Linie an abgeschriebenen Kraftwerken Geld verdienen zu wollen. „Deshalb stellen sie den Atomkonsens in Frage. Ihnen geht es nicht um Klimaschutz, der muss als untaugliches Argument herhalten“, sagte der SPD-Politiker. Für eine weitere Nutzung der Atomenergie plädierte der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder: „Jeder in Deutschland und der Welt hat inzwischen gemerkt, dass wir mehr zur Bewahrung unserer Erde tun müssen“, sagte Mißfelder in der „B.Z.“. Diese Erkenntnis werde zu einer Renaissance der Atomenergie führen.

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