0 Bewertungen
05.06.2007 
Treffen der G8-Staaten

Mit Anlauf zum Gipfel

Die Gegner des G8-Gipfels und die Teilnehmer des Treffens laufen sich auf ihre jeweils eigene Art und Weise warm. Während die einen die Ankunft des Ehepaars Bush zum Anlass nahmen, laut zu pfeifen und Parolen zu skandieren, übten sich die anderen schon mal im Zurückweisen von Kritik.

Friedliche G8-Kritiker am Montag während einer Demonstration in Rostock. Foto: dpa Lupe

Friedliche G8-Kritiker am Montag während einer Demonstration in Rostock. Foto: dpa

HB ROSTOCK/BERLIN. Der erste prominente Teilnehmer des G-8-Gipfels von Heiligendamm, US-Präsident George W. Bush, ist von 500 Demonstranten bei seiner Landung in Rostock mit einem Pfeifkonzert begrüßt worden. Die Maschine des US-Präsidenten traf am Dienstagabend von Prag kommend ein. Mit einem Großaufgebot sicherte die Polizei das Gebiet ab. Die Kampagne „Block G-8“ kündigte an, bei Randale würden die Aktionen der kommenden Tage von den G-8-Gegnern selbst aufgelöst. Im Streit um die Polizeitaktik wurden Rufe nach härterem Durchgreifen laut. Nachdem in einem Bus aus den Niederlanden Vermummte aufgefallen waren, nahm die Polizei 57 Insassen vorerst fest.

An den Anti-Bush-Protesten am Flughafen Rostock-Laage beteiligten sich nach dem Bericht eines AFP-Reporters rund 500 Demonstranten. Einige hielten Transparente unter anderem mit der Aufschrift „G-8 = Kriegstreiber“ hoch, andere riefen „Fuck Bush“ und „Bush go home“. In Rostock-Warnemünde hatten sich am Mittag mehr als tausend G-8-Gegner zu einer antimilitaristischen Demonstration versammelt. Die Festnahme der Vermummten aus den Niederlanden erfolgte nach Angaben eines Polizeisprechers an einer Autobahnabfahrt in der Nähe von Rostock.

Mit Blick auf die angekündigten Blockaden anlässlich des Eintreffens der G-8-Staats- und Regierungschefs am Flughafen Rostock-Laage bestätigte „Block G-8“-Sprecher Christoph Kleine auf Anfrage, die Aktionen würden bei Krawallen „im Zweifelsfall“ abgebrochen. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte die Auflagen für die Proteste am Flughafen. Demnach dürfen nur maximal 50 Menschen an einer Kundgebung gegenüber der Einfahrt zum Flughafen teilnehmen. Eine weitere Demonstration wurde an einer etwa 500 Meter entfernten Buswendeschleife erlaubt, die an der Zufahrtstraße zum Flughafen liegt. Die meisten Gipfelteilnehmer wurden am Mittwoch ab 13.00 Uhr erwartet.

Grünen-Chefin Claudia Roth bedauerte das BVG-Urteil. Die Entscheidung des höchsten Gerichts sei „wenig konsequent, was die eigene Rechtsprechung angeht“. Linksfraktionsvize Petra Pau kritisierte, durch den Beschluss werde das Demonstrationsrecht „de facto suspendiert“. Dagegen warf FDP-Generalsekretär Dirk Niebel den Grünen „Doppelzüngigkeit“ vor. Die Grünen seien sich „nach wie vor uneinig, ob sie Gewalt verharmlosen oder klar ablehnen wollen“, sagte Niebel. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief die Gipfel-Gegner erneut zur Gewaltlosigkeit auf. Ich „wünsche mir sehr, dass die angekündigten Proteste und Demonstrationen absolut friedlich bleiben“, schrieb Merkel in einem Beitrag für die „Sächsische Zeitung“. Merkel will am Mittwochmittag mit Bush zu einem bilateralen Gipfel zusammentreffen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kreml weist Kritik Bushs an mangelnder Demokratisierung zurück

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

weiterBildergalerien

zurück
  • Reif für die Senioren-Union? 60 Jah...

    Reif für die Senioren-Union? 60 Jahre Seehofer

    Als er als Ministerpräsident nach Bayern kam, schmiss er alle über 60-Jährigen aus dem Kabinett. Jetzt erreicht der bayrische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer selbst die magische Grenze. Doch das wird er durchstehen – wie er schon so manch...Bildergalerie 

  • G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, P...

    G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, Paläste

    G8-Gipfel sind nicht ohne Demonstranten denkbar. 1999 fand der letzte „normale“ Gipfel statt – in Köln. Seither igeln sich die Staatschefs an schwer zugänglichen Orten ein. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Große Koalition: Bilanz mit Schönhe...

    Große Koalition: Bilanz mit Schönheitsfehlern

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt die Tagesordnung des Parlaments seit bald einem Jahr - und hat mit dazu beigetragen, dass die Große Koalition mehr Gesetze beschlossen hat als einst die Regierung von Kanzler Gerhard Schröder in der Legislaturperiode ...Bildergalerie 

vor

 

 

Vorhersage Deutschland

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kreditklemme: Berliner Drohkulisse  Artikel in Merkliste

05.07.2009, 16:32 Uhr von Donata Riedel

Die Drohgebärden aus berlin zeigen, dass sich die Regierung keineswegs sicher ist, bis zur Bildung der nächsten Regierung im Spätherbst genug für die Bankenstabilisierung getan zu haben. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Schweizer Eigentore  Artikel in Merkliste

03.07.2009 von Torsten Riecke

Die Schweiz hat ein echtes PR-Problem. Das Bild des Schweizer Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz, der sich dem deutschen Finanzminister Peer Steinbrück beugt, ist in Erinnerung geblieben. Es war nicht der letzte Fauxpas des Schweizers. Kommentar

Handelsblatt Marktplatz

Über 220 000 Seminare zu 120 Themen. Aktuell: Abendseminare mit Spitzen-Trainern. Weiter