Mit der „Fünf-Finger“-Taktik an den Zaun
G8-Gegner greifen Kontrollstellen an

Die Demonstrationswelle gegen das G8-Treffen rollt – und das nicht immer friedlich. Als das Bundesverfassungsgericht am Mittag einen Sternmarsch zum Tagungsort verbietet, sind nach Angaben der Protestveranstalter bereits bis zu 10 000 Gipfelgegner in die Sicherheitszone um Heiligendamm vorgedrungen, einige Hundert direkt bis zum Zaun. Die Polizei spricht von rund 8 000 Demo-Teilnehmern. Zudem haben Demonstranten wichtige Zufahrtstraßen blockiert, darunter die Autobahn A19. Einige Chaoten griffen zu Steinen und bewarfen damit zwei Kontrollstellen der Polizei. Die ging mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Gewalttäter vor.

HB/lud HEILIGENDAMM/REDDELICH. Am Morgen hatte alles noch nach einer friedlichen Demonstration ausgesehen: Nach einer Mahnwache im Ort Admannshagen ziehen tausende G8-Gegner Richtung Heiligendamm. Die Nacht war ruhig, und die Polizei richtet sich auch auf einen ruhigen Tag ein. „Wir sehen das doch recht entspannt“, sagt der Sprecher der Sondereinheit für das G8-Treffen, Ulf Erler, vor laufenden Kameras. Trotzdem haben sich an jeder wichtigen Straßengabelung Richtung Konferenzort, an jeder Autobahnzufahrt zum Flughafen Rostock-Laage, wo die mächtigsten Männer der Welt landen, Beamte positioniert. Die Hundertschaften in voller Montur lauern nicht im Hintergrund, sondern für jedermann gut sichtbar entlang der Straßen.

Am Mittag ist von der entspannten Stimmung nichts mehr zu spüren. Bei Reddelich sind tausende G8-Gegner bis unmittelbar an den Sicherheitszaun vorgedrungen. Einige blockieren die Gleise der so genannten Molli-Bahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm. Statt mit der Dampfbahn werden die Journalisten mit Booten der Bundeswehr über die Ostsee zum Konferenzort gebracht. Einige Kilometer östlich vom Tagungsort geht die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Protestierer vor, die versucht hatten, eine wichtige Zufahrtsstraße zu erreichen.

Mitten in die aufgeheizte Stimmung platzt die Nachricht, dass das Bundesverfassungsgericht ein weiträumiges allgemeines Versammlungsverbot rund um den Tagungsort in Heiligendamm verhängt hat. Auch ein Sternmarsch von Globalisierungsgegnern bleibt verboten, die Karlsruher Richter bestätigten eine entsprechende Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Mecklenburg-Vorpommern.

Polizei-Hundertschaften versuchen, die Lage in der Sicherheitszone in den Griff zu bekommen. „Die Polizei ist nicht überrascht worden. Sie ist mit starken Kräften im Einsatz“, erklärt ein Sprecher der Sondereinheit Kavala. Trotzdem ist es den G8-Gegnern gelungen, die Autobahn 19 bei Rostock-Laage zu blockieren. Auf der Strecke werden die G8- Delegationen in Richtung Heiligendamm fahren. Ebenso wird zeitweise die Bundesstraße 105 bei Sievershagen zwischen Rostock und Bad Doberan blockiert. Eine weitere Blockade besteht zwischen Reddelich und Bad Doberan. Laut Polizei stellte auch die Deutsche Bahn den regulären Zugverkehr zwischen Rostock und Bad Doberan ein.

Polizeibeamte an den beiden Kontrollstellen am zwölf Kilometer langen Sicherheitszaun werden von Chaoten mit Steinen beworfen, einige werden bei Zusammenstößen mit Demonstranten verletzt. An einer mobilen Kontrollstelle bei Rethwisch setzt die Polizei Wasserwerfer ein, Hubschrauber bringen Verstärkung. Am Nachmittag spricht ein Polizeisprecher wieder von einer „entspannten Situation“, doch am Sicherheitszaun stehen sich noch immer mehrere Hundertschaften Polizei und Tausende Demonstranten gegenüber. Die Beamten haben die Protestgruppe etwa 50 Meter zurückgedrängt, nachdem diese vorher bis auf 20 Meter an den Zaun vorgedrungen war. Mit Absperrband markieren Polizisten den eingeforderten Abstand, der dann auch eingehalten wird."

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