Mit Expertenhilfe
Piratenpartei nimmt Kurs auf die Euro-Krise

In Wirtschaftsfragen gilt die Piratenpartei als wenig kompetent. Bis jetzt. Mit prominenter Unterstützung wollen die Polit-Freibeuter nun in die Offensive gehen und mit dem Thema Euro-Krise punkten.
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BerlinDie Euro-Krise ist nunmehr auch bei der Piratenpartei angekommen. "Lösungen für die komplexen wirtschaftspolitischen Probleme unserer Zeit lassen sich nur gemeinsam finden", befindet Matthias Schrade, Mitglied des Bundesvorstands und von Beruf  Finanzanalyst. Daher freue er sich , "dass wir Peter Bofinger und Klaus Regling für diese Podiumsdiskussionen gewinnen konnten". Das bestätige das Piraten-Konzept, Diskussionen möglichst breit, öffentlich und unterstützt durch externen Sachverstand zu führen.

Mit Regling haben die Piraten tatsächlich einen ausgewiesenen Experten gefunden. Der designierte Chef des Euro-Dauerrettungsschirms hilft, Krisenländer finanziell abzusichern, sofern sie einen Hilfsantrag gestellt haben und die internationalen Partner ihr okay gegeben haben. Peter Bofinger ist als sogenannter Wirtschaftsweise nicht nur als Berater der Bundesregierung aktiv, sondern fast täglich auch gefragt, wenn es um Antworten auf die vielen diffizilen ökonomischen Zusammenhänge geht, die die Dauerkrise regelmäßig aufwirft. Am Dienstagabend trafen sich Regling und Bofinger zum digitalen Schlagabtausch mit den Polit-Freibeutern per Livestream.

Wichtig sei, dass es sich um eine systemische Krise handele, sagte Bofinger eingangs, und verwies darauf, dass Staaten wie Italien mit einem ein sehr niedrigen Defizit oder Spanien, das sich „massiv“ darum bemühe, die Verschuldung in den Griff zu bekommen, trotz aller Anstrengungen nicht mehr zu „vernünftigen“ Zinsen an den Märkten refinanzieren könnten.

Gleichzeitig forderte der Wirtschaftsweise, dass die „beachtliche Anstrengungen bei der Konsolidierung“ nicht durch zu hohe Zinsen konterkariert werden dürften. Ansonsten würde die Währungsunion in einen „Teufelskreis“ geraten. Der ESM sei da eine Möglichkeit, den Staaten aus diesem Teufelskreis herauszuhelfen.

Bofinger gab für die jüngsten Entwicklungen auch noch anderen eine Mitschuld: Die Krise sei nicht zuletzt auch durch die Medien befeuert worden, die sich vornehmlich über negative Nachrichten aus den Krisenstaaten ausließen, darüber hinaus aber den positiven Entwicklungen nur wenig Beachtung schenken würden. Regling hakte an dieser Stelle ein und sagte, dass mit dem ESM die Märkte auch die positiven Entwicklungen bemerkt hätten. „Zeitkaufen ist unser Konzept“, sagte er.

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  • Piraten sind Hohlköpfe, das wurde wieder einmal bewiesen. Wraum nicht gleich Schäuble, Juncker oder eine Frau Lagarde einladen? Wer sich nach fünf Jahren "EURO-Rettung" erst eine Meinung mit Hilfe dieser politischen und ökonomischen Bandstifter bilden muß, ist bestenfalls als "absolut unfähig" einzuordnen, ist unterwandert, ethisch nicht tragbar. Man sollte zuerst eine Offenlegung aller Finanzierungsquellen der "Piraten" fordern, dann wird sicher einiges klar, wer wirklich an der Installation dieser "Partei für Verwirrte" ein Interesse hat...

  • Die Diskussionsrunde mit Bofinger und Regling war leider eher weniger interessant. Auch ich bin in Bezug auf die Vorstellungen Bofingers skeptisch. Heißt doch aber nicht dass man nicht mit solchen Personen, die gerade stärker in die Krise involviert sind sprechen sollte. Es gibt demnächst ja noch weitere Gespräche mit Gegnern des ESM und z.B. auch bei Zusage mit Leuten wie Hans Werner Sinn, Dirk Müller usw.
    Zudem gabs auch schon Podiumsdiskussionen mit Klägern gegen den ESM. Also man kann da wirklich keine Richtung nur aus der Bofinger Diskussion ableiten.

    Ich habe den Eindruck dass die Piraten zurzeit in Richtung stärkere Finanzmarktregulierung, Rückkehr zu No-Bailout, evtl. Auslösen einzelner Staaten wie Griechenland aus dem Euro und Entwicklung zu europ. Fiskalunion tendieren. Ob es zu einer tragfähigen Fiskalunion und stärkeren Integration kommt hängt natürlich von der weiteren politischen Entwicklung in Europa ab.

    Deutschland wird sich jedenfalls mit der jetzigen Regierung weiterhin gegen Inflationspolitik in der Eurozone stellen.
    Meiner Einschätzung nach wollen die Piraten auch keine Inflationspolitik.
    Bei Rot/Grün sieht es angesichts ihrer Forderungen leider anders aus.

  • berkmann: "Bofinger und Regling. Genau solchen Typen haben wir das ganze Desaster zu verdanken.
    Und deren "Lösungen" kennen wir auch: Bankenverluste auf die Steuerzahler abwälzen...."


    Was Sie sagen, ist nicht falsch. Aber hinter den Banken stehen Menschen, die reichen Aktionäre und die reichen Investoren, die ihre Euro-Millionen der Bank geben, damit diese sie durch lukrative Anlagen in Griechenland und Spanien vermehren. Die Gewinne bleiben beim Millionär, die Verluste gehen mit Hilfe von Reglings EFSF an die arbeitende Bevölkerung, den Steuerzahler. Das ist die ganze Wahrheit.

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