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16.07.2008 
Bayrische Kapriolen

Mit Goaßlschnalzer aus der Krise

von Jürgen Fischer

Vor der Landtagswahl agiert das CSU-Führungsduo Huber/Beckstein mit wenig Fortune. Der Slogan „Im Freistaat sind Partei und Gemeinwesen eins“ zieht kaum noch. Mit drastischen Mitteln versuchen die Christsozialen jetzt, ihre absolute Mehrheit zu retten.

CSU-Chef Erwin Huber und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein suchen nach Wegen aus der Krise. Foto: dpaLupe

CSU-Chef Erwin Huber und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein suchen nach Wegen aus der Krise. Foto: dpa

MÜNCHEN. Allmählich geht es für die CSU ans Eingemachte. Mit ihrem Parteitag am Freitag startet die kleine Unionsschwester in die heiße Phase des Landtagswahlkampfs. Im Vorfeld hat der bayerische Löwe, in dessen Höhle auch CDU-Kanzlerin Angela Merkel erwartet wird, nochmal ordentlich gebrüllt. Die „Werte- und Kampfgemeinschaft“ CSU sei eine eigenständige Partei und formuliere ihre Ziele eigenständig, giftete Parteichef Erwin Huber im Streit um die Pendlerpauschale.

Das Kriegsgeheul der CSU in Richtung Berlin hat Gründe: Mit allen Mitteln versucht die verunsicherte Partei, beim Urnengang am 28. September die Machtbastion Bayern zu verteidigen. Beim Parteitag des CSU-Bezirks Oberbayern, wo das Herz der erfolgsverwöhnten Partei schlägt und 40 Prozent der Wähler leben, war es dieser Tage zu besichtigen: Der aus dem protestantischen Franken stammende CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein trat erstmals im Trachtenanzug auf – dem Symbol katholisch-alpenländischer Gesinnung. Danach zelebrierte die Gemeinde ein Hochamt in Weißblau: Mit Trachtengruppen, Defiliermarsch, Goaßlschnalzern (Peitschenknallen) und dem Ehrensalut der Gebirgsschützenkompanie.

Kurz zuvor hatte die Landesregierung in München beschlossen, öffentliche Gebäude künftig durchgehend mit der Bayern-Fahne zu beflaggen. Das alles ist der verzweifelte Versuch, dem Wahlvolk das alte Erfolgsrezept der Dauer-Regierungspartei aufs Neue einzutrichtern: CSU gleich Bayern und Bayern gleich CSU. Die schlichte Botschaft: Im Freistaat sind Partei und Gemeinwesen eins – auch in der Nach-Stoiber-Ära.

Doch die Botschaft verfängt nicht mehr wie früher. Erstmals seit 1994, nach dem Sturz von CSU-Amigo Max Streibl, müssen die Christsozialen im Herbst um ihre obligatorischen „50 Prozent plus x“ zittern. Nach Umfragen hat die CSU im Vergleich zum letzten Mal ein Fünftel ihrer Wähler verloren. Bei der Kommunalwahl im März erlebte die Partei zum ersten Mal, dass das CSU-Parteibuch keine Wahlsiege mehr garantiert. In manchen Gegenden Bayerns wäre früher auch ein Fahnenmast gewählt worden, geben sie in der CSU offen zu – sofern er nur schwarz angestrichen gewesen wäre. Diese Zeiten sind vorbei.

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