Die Bewegten bilden im Bundestag ein buntes Völkchen. Ex-Panzergeneral Gert Bastian, den die Pershing-Raketen der Nato zu den Ökopaxen getrieben haben, ist knarzig zugegen wie auch der Frankfurter Steinewerfer Fischer. Der Berliner Otto Schily hat seine RAF-Verteidigerrobe abgeworfen und führt im Hohen Haus seinen Nadelstreifen-Anzug aus.
K-Gruppen-Anhänger, KB-Funktionäre wie der Hamburger Jürgen Reents und auch ein paar unbeschriebene Blätter maoistischer Couleur proben den aufrechten Gang durch die einst so verachteten Korridore der Macht. Immerhin gilt es, den etablierten Parlamentariern einen gehörigen Kulturschock zu verpassen.
So freuen sich die Grünen diebisch darüber, dass sie auf die anderen wie die "Invasion der Außerirdischen" wirken. "Mit uns hat ja der Untergang Deutschlands an die Tür des Parlaments geklopft", wird Fischer später eine stolze Gedenkminute für seine Vergangenheit in die ansonsten überwältigend wichtigen Amtsgeschäfte als Bundesaußenminister einlegen.
Widerborstig wehrte selbiger Fischer 1978 vor den Landtagswahlen in Hessen eine drohende Überdosis Parlamentarismus ab: "Wir Anarchisten, Spontis und Verweigerer sollen alles vergessen und wählen oder gar gewählt werden?" Doch hinter dem ledernen Habitus des Rebellen steckt nicht nur bei Fischer oder einem Daniel Cohn-Bendit längst der machtgeile Politiker.
Einmal in den Bundestag eingekehrt, ist auch dem letzten von ihnen klar, warum sie die Wende vom außerparlamentarischen Anarcho in die parlamentarische Ordnung vollziehen: Sie treibt das Gefühl um, die abgeschottete Drei-Parteien-Nomenklatura dürfe nicht länger so verantwortungslos weiterwerkeln wie in den letzten 40 Jahren: Raubbau an der Natur, Aufrüstung, Atomkraft, mangelnde Entnazifizierung der Hirne -kurz: die "Politik der Etablierten."
Tatsächlich markiert die Ankunft der Grünen im Bundestag eine Zäsur im bundesdeutschen Parlamentarismus. Eine Partei, die ihre Legitimation im außerparlamentarischen Protest der Umwelt- und Friedensbewegung findet, zieht in den Bundestag ein, um alle anderen Mores zu lehren: "Frieden schaffen ohne Waffen!"
Unter diesen Etablierten ist es vor allem der streng akkurat gescheitelte Bundeskanzler Helmut Schmidt, der ihnen als unfreiwilliger Geburtshelfer frommt. Der konservative SPD-Politiker und tief inhalierende Kettenraucher hat die Hoffnung auf die Reformfähigkeit der SPD längst mit seinem blauen Dunst ins Nichts aufsteigen lassen. Und so wandern beide, Rot und Grün, nach der Wahl erst einmal in die Opposition - und werden fortan 16 Jahre, wie die gesamte Republik auch, von einem Helmut Kohl regiert. Alles wie gehabt: ein schwarzer Alptraum.
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