0 Bewertungen
08.03.2008 

Das längerfristig angelegte Kapital der Grünen sind damals die Jüngeren, die statt SPD Grün wählen. Zwei Jahrzehnte sollten sie die Partei vorantragen. Doch schon jenseits der 40 erhält diese parlamentarische Avantgarde der Selbstzerfleischung kaum Unterstützung.

Heute ist es umgekehrt: Nun fliehen die Jungen die grau meliert-grünen Wohlstands-Panther um Claudia Roth, Reinhard Bütikofer und Jürgen Trittin. Auf dem Land gar sieht es damals ganz mau aus für die pazifistischen Öko-Krieger, die eher bei Akademikern in den Städten Widerhall finden. Die meisten Grünen verstehen sich als alternativ, umweltbewegt, vor allem: links.

Moralisch hochgerüstete Ökopazifisten wie Jutta Ditfurth oder Petra Kelly, pragmatisch linksreformerische Öko-Sozialisten wie Thomas Ebermann und eine mild ökologische, dafür maßlos schwäbelnde Gruppe von kompromissfähigen Realos aus Baden-Württemberg dienen der Partei als dicke Aorta, die auf der linken Seite des Herzens entspringt und reines Öko-Blut befördert. Dazu gesellen sich später die "Hessenrealos" um Fischer samt Milan Horacek, Georg Dick und Hubert Kleinert.

Doch schon am Wochenende nach der Bundestagswahl 1983 zeigt sich, wie wenig die deutsche Vergangenheit auf die Etablierten abzuwälzen ist. Der grüne Anwärter auf das Amt des Alterspräsidenten des Bundestags, NRW-Spitzenkandidat Werner Vogel, hat seine Vergangenheit in der NSDAP verschwiegen. Das war?s für ihn. So schnell hatte in Deutschland noch kein Nazi-Unhold das Amt niedergelegt.

Nach sieben fruchtbaren Jahren voller leidenschaftlicher Debatten, Flügelkämpfe, Intrigen und radikaler Veränderungen des politischen Komments wartet bundespolitisch schon das Stoppschild für die Bewegten. In der ersten Wahl nach der deutschen Vereinigung 1990 fliegen die Ökos aus dem Bundestag.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Grünen Pazifismus gerät zur Makulatur

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar