Das längerfristig angelegte Kapital der Grünen sind damals die Jüngeren, die statt SPD Grün wählen. Zwei Jahrzehnte sollten sie die Partei vorantragen. Doch schon jenseits der 40 erhält diese parlamentarische Avantgarde der Selbstzerfleischung kaum Unterstützung.
Heute ist es umgekehrt: Nun fliehen die Jungen die grau meliert-grünen Wohlstands-Panther um Claudia Roth, Reinhard Bütikofer und Jürgen Trittin. Auf dem Land gar sieht es damals ganz mau aus für die pazifistischen Öko-Krieger, die eher bei Akademikern in den Städten Widerhall finden. Die meisten Grünen verstehen sich als alternativ, umweltbewegt, vor allem: links.
Moralisch hochgerüstete Ökopazifisten wie Jutta Ditfurth oder Petra Kelly, pragmatisch linksreformerische Öko-Sozialisten wie Thomas Ebermann und eine mild ökologische, dafür maßlos schwäbelnde Gruppe von kompromissfähigen Realos aus Baden-Württemberg dienen der Partei als dicke Aorta, die auf der linken Seite des Herzens entspringt und reines Öko-Blut befördert. Dazu gesellen sich später die "Hessenrealos" um Fischer samt Milan Horacek, Georg Dick und Hubert Kleinert.
Doch schon am Wochenende nach der Bundestagswahl 1983 zeigt sich, wie wenig die deutsche Vergangenheit auf die Etablierten abzuwälzen ist. Der grüne Anwärter auf das Amt des Alterspräsidenten des Bundestags, NRW-Spitzenkandidat Werner Vogel, hat seine Vergangenheit in der NSDAP verschwiegen. Das war?s für ihn. So schnell hatte in Deutschland noch kein Nazi-Unhold das Amt niedergelegt.
Nach sieben fruchtbaren Jahren voller leidenschaftlicher Debatten, Flügelkämpfe, Intrigen und radikaler Veränderungen des politischen Komments wartet bundespolitisch schon das Stoppschild für die Bewegten. In der ersten Wahl nach der deutschen Vereinigung 1990 fliegen die Ökos aus dem Bundestag.
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