Zum Slogan "Alle reden von Deutschland - wir reden vom Wetter" hatte Schily zuvor den Ossi-Exorzisten gemimt und mit einer Banane vor den Kameras herumgefuchtelt, um die Motive der Vereinigungswilligen im Osten zu verhöhnen. Vier Jahre fristen die Grünen darob ihr trübes Dasein im westdeutschen Niemandsland, während der Ost-Ableger, "Bündnis 90", den Sprung schafft und im Bundestag mitmacht. Bis 1993 auch die grüne Vereinigung glückt und die Öko-Brüder und -Schwestern aus dem Osten den Gang in die parteiinterne Nichtbeachtung antreten dürfen. Schily hat sich da längst einen SPD-Wahlkreis in Bayern zur neuen Heimat erkoren.
Fünf Jahre später wird die Cohiba-Brioni-Currywurst-Toskana-Connection in die Regierung gewählt. Der Auto-Kanzler und Genosse der Bosse, Gerhard Schröder, und der wiedergeborene Realissimo Fischer schmieden das rot-grüne "Projekt", die Regierung mit grün-alternativer Beteiligung in Deutschland. Am Ziel des langen Marsches durch die Konventionen angekommen, stammelt Fischer: "Otto, kneif mich, ich träume."
Fortan regiert der aufgeklärte Opportunismus die Republik. Der erklärte Anti-Ami Fischer übernimmt das Außenministerium und schließt als neuer Superrealo Freundschaft mit der US-Kollegin Madeleine Albright. Er lässt auch sonst vieles jener belastenden Ideologie zurück, die Jahrzehnte als Wegzehrung auf dem Weg vom Asphaltcowboy zum Öko-Politiker diente.
Beide, Fischer wie Schröder, erheben in der Regierung ihre multiplen Persönlichkeiten zum rot-grünen Maß aller Dinge. Stärker als analytische Exegese lässt sich am Personal ablesen, wie wenig der "wind of change" wehen darf: Schröder, Fischer, Schily, Clement, Künast, Trittin - um nur wenige der multiplen Ego-Überreiztheiten bei Themen wie Pazifismus, Kosovokrieg, Anti-Atom-Politik oder Bio-Verordnungen in Erinnerung zu rufen.
Von der grünen Kompromissformel der Bundestagswahl 1998 "Innovation und Gerechtigkeit" bleibt im täglichen Grabenkampf wenig übrig. Der wahre Sponti ist nicht länger Fischer, sondern Schröder. Die Realitätsschocks Kosovo, Irak und Afghanistan machen aus dem grünen Pazifismus Makulatur, gehen "up in smoke", wie der Titel eines damals unter Grünen beliebten Films von "Cheech & Chong" heißt.
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