Der Atomausstieg ist nicht "sofortig", das Dosenpfand ein Ärgernis, und Ökosteuer wie Ökosiegel sind keine wirklichen Beglückungen der Bürger. Als die Grünen vor den Sicherheitspaketen des ihnen längst nicht mehr grünen Schily kapitulieren, ist es auch mit der Bürgerrechtspartei vorbei.
In dieser nachhaltigen Eliminierung des neuen politischen "Projekts" liegt der Kern des schwarz-grünen Flirts. Rot-Grün steht heute nur noch für die Bankrotterklärung einer "soziokulturellen Revolution", die sich alternativ wähnt, aber unter dem Zwang des Kompromisses zum Hochamt für permanenten Opportunismus verkommt.
Die rot-grüne Protestkultur mutiert unter Schröder und Fischer zu einer Patriarchalkultur, wie sie selbst der schwarze Pate und Begründer aller grünen Horrorvisionen, Helmut Kohl, in seiner Partei nicht hinbekam. Der "autoritäre Charakter" hat die Basta!-Patriarchen aus der Tiefe ihrer ureigenen Sozialisation ferngesteuert.
Womöglich müssen heute die dadurch so nachhaltig ramponierten Parteien gerade deshalb Zeugen einer Bewegung werden, die wie sie links und pazifistisch begann und aus erbitterten Flügelkämpfen erwachsen ist: Die Linke, der neue Mehrheitsbeschaffer der SPD. Auch der heutige Aufschrei der Konservativen ist nur Widerhall des damaligen Entsetzensschreis der CDU: "Grenzt sie aus, die Systemfeinde!"
Noch heute fühlt sich Fischer, der einstige Doge der Grünen, hinlänglich verwand mit dem Ex-Protestsänger Bob Dylan ("Everything is broken"). Der wird nun im Kino von nicht weniger als sechs Mimen nachgestellt. Und die derart multiple Würdigung multipler Persönlichkeit würde auch dem Taxifahrer, Straßenkämpfer, Messdiener und Außenminister als Glorifizierung seiner selbst genehm sein. Wie wohl auch der Filmtitel, mit dem er den nun bald schwarz umflorten Grünen wie ein Endlos-Anrufbeantworter im besten Princeton-Amerikanisch ins Ohr knarzt: "I?m not there."
Lesen Sie weiter auf Seite 6: Die Themen der 10. Kalenderwoche 1983


