Mitarbeiter packt aus
BND durchsuchte Datenströme für NSA

Amerikaner und Deutsche arbeiten in Bad Aibling gemeinsam an der Auswertung abgefangener Daten. Der BND benutze Geräte und Programme der NSA, sagt ein BND-Mitarbeiter. Daten von Deutschen seien nicht weitergegeben worden.
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BerlinDer Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach Angaben eines Mitarbeiters abgefangene Daten in seiner Abhörstation in Bad Aibling häufiger für amerikanische Geheimdienste als für eigene Zwecke durchsucht. Von den Filterkriterien, nach denen der BND die Daten durchsucht, stammt nach diesen Angaben ein großer Teil von amerikanischer Seite.

„Als wir angefangen haben, war das Verhältnis etwa 1:4. Vier amerikanische auf einen deutschen Selektor“, sagte der Mann am Donnerstag vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Selektoren sind Kriterien, nach denen Daten durchsucht werden – etwa eine Mailadresse, eine Telefonnummer oder eine Kontaktperson. Der BND prüfe allerdings vorher, ob Deutsche oder „deutsche Interessen“ betroffen seien.

Der BND-Mitarbeiter, der nur als „T.B.“ identifiziert wurde, arbeitete für eine gemeinsame Analyseeinheit (JSA) von BND und NSA. Er war von 2002 bis 2007 im oberbayerischen Bad Aibling tätig.

Der BND-Mann betonte, dass damals keine Informationen über Deutsche an andere Nachrichtendienste weitergegeben worden seien. Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz stellte diese Aussage in Frage: „Das ist eine steile These angesichts der Aktenlage, die wir hier haben“, sagte er.

Der Untersuchungsausschuss soll die Spähaffäre rund um den US-Geheimdienst NSA aufarbeiten. Vor mehr als einem Jahr war ans Licht gekommen, dass dieser massenhaft auch in Deutschland Daten ausforscht. In der Affäre gerieten auch die deutschen Geheimdienste in die Kritik - allen voran der Auslandsdienst BND.

Medienberichten zufolge soll der BND bei der Operation „Eikonal“ jahrelang auch Daten deutscher Staatsbürger an die NSA übermittelt haben. Die Daten habe der BND zwischen 2004 und 2008 am Internet-Knotenpunkt in Frankfurt abgegriffen, hieß es. Filter, die Informationen über Deutsche herausfischen sollten, hätten nur zu 95 Prozent funktioniert.

„T.B.“ dagegen erklärte, die Zahl von 95 Prozent stamme aus einem Testbetrieb des Filtersystems. Später habe man 99 Prozent erreicht. Durch eine zusätzliche Prüfung von Hand seien alle Daten von Deutschen herausgelöscht worden. „Meines Wissens wurde aus diesem Ansatz kein Datum eines Deutschen abgeleitet.“

Gleichzeitig räumte der Geheimdienst-Mitarbeiter ein, dass es schwer sei, deutsche Daten aus dem Datenstrom zu entfernen. „Das war eines der schwierigsten Probleme überhaupt“, sagte er. Besonders gelte das für Daten aus angezapften Glasfaserkabeln. Auch solche Daten wurden nach Aussage von „T.B.“ in Bad Aibling verarbeitet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mitarbeiter packt aus: BND durchsuchte Datenströme für NSA"

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  • Aber die Ablenkung mit Stasi, Linkspartei usw. sollte doch schon funktionieren.
    Schließlich war die DDR ein Unrechtsstaat. Heute in unserm Superrechtsstaat ist alles besser.

    Und der Weihnachtsmann hat einen großen weißen Bart.....

  • Gibt es in Deutschland noch einen Bürger, der diese Dimenties/Stories glaubt?

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