Mitarbeiterbeteiligung
Fall Schlecker deckt Versäumnisse der Politik auf

Mitarbeiter verzichten auf einen Teil des Lohns, erhalten dafür aber Anteile am Unternehmen: Kapital in Arbeitnehmerhand kann die Rettung von Jobs erleichtern. Doch der Fall Schlecker zeigt, dass es hier gewaltig hakt.
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BerlinDer jüngste Konjunkturaufschwung hat auch der alten Idee vom Kapital in Arbeitnehmerhand wieder einen kleinen Schub gebracht: Nach einem Tief im Jahr 2008 hat sich die Zahl der Belegschaftsaktionäre hierzulande 2011 immerhin um 17 Prozent auf 1,16 Millionen erhöht.

Ein Durchbruch zu einer neuen Kultur der Mitarbeiterbeteiligung, wie ihn Union, FDP und SPD fast unisono propagieren, ist aber auch damit nicht in Sicht. Es sind immer noch 40 Prozent weniger Belegschaftsaktionäre als vor 15 Jahren. Auch andere Beteiligungsmodelle bleiben Randerscheinungen. „Das ist ausbaufähig“, findet Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Nun führt ausgerechnet das Beispiel der insolventen Drogeriekette Schlecker vor, wo es hakt - obwohl die Förderregeln zur Mitarbeiterbeteiligung seit 2009 zweimal überarbeitet wurden: Prinzipiell ist dort sogar die Gewerkschaft Verdi daran interessiert, Lohn teilweise in Kapitalanteile umzuwandeln, wenn sich damit Arbeitsplätze retten lassen.

Die Idee: Den Beschäftigten würde dann weniger Geld ausgezahlt - das würde aber die Firmenkasse schonen und die Chance auf eine Rettung der Jobs erhöhen. Gelingt die Sanierung, hätten die Mitarbeiter am Ende sogar direkten Anspruch auf Beteiligung am Gewinn.

Das Problem bleibt nur, dass sich der Staat dabei alles andere als konstruktiv verhält: Selbst vom nicht gezahlten Lohn fordert er trotzdem Sozialabgaben und, bis auf 360 Euro im Jahr, auch Lohnsteuer. Generöser zeigt sich der Fiskus nur, wenn eine Kapitalbeteiligung nicht mit Lohnverzicht gekoppelt wird, also den Betrieb nicht retten soll.

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Politische Maßnahmen kämen für Schlecker zu spät

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