Mitarbeiterbeteiligung
Investivlohn: Auf diese Steine können Sie bauen

Mit Firmenbeteiligungen können auch Mitarbeiter vom Erfolg einer Firma profitieren. Doch was für den Aufschwung gedacht war, scheint auch in der Krise zu funktionieren. Weil die Banken mit Krediten knausern, setzen viele Firmen auf das Kapital ihrer Angestellten.

BERLIN. Manchmal klappt es wie im Bilderbuch: Die Pfalz-Flugzeugwerke in Speyer, einst Teil des Daimler-Konzerns, waren 1997 dem Untergang geweiht. Dann übernahmen die Mitarbeiter ihre Firma, um Einkommen und Arbeitsplätze zu sichern. Vier Jahre später verkauften sie ihre Anteile an einen neuen Investor - und erzielten damit durchschnittlich 90 000 Euro Gewinn pro Kopf.

Trotzdem führte die Mitarbeiterkapitalbeteiligung, auch Investivlohn genannt, hierzulande stets ein Schattendasein. Dann propagierte die Große Koalition, das Instrument unter dem Motto "Teilhabe am Aufschwung" zu stärken, und beschloss ein neues Fördergesetz. Und nun? Nun ist der Aufschwung vorbei - doch statt neuer Steuerfreibeträge liefert jetzt offenbar ausgerechnet die härteste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit eine Initialzündung, die den von vielen erhofften Durchbruch bringen könnte.

Erfolgs- und Kapitalbeteiligungen böten einen Ansatz, um "wesentlich zur Stabilisierung der Unternehmen und der Beschäftigung beizutragen", streicht Heinrich Beyer heraus, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP), die sich seit Jahren für kooperative Unternehmensführung einsetzt. Und selbst Gewerkschaften, denen bisher ein reserviertes Verhältnis zum Investivlohn nachgesagt wurde, erkennen einen Wandel. "Eindeutig, der Ansatz der Mitarbeiterbeteiligung gewinnt in der Praxis an Einfluss und Bedeutung", berichtet Jörg Hofmann, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg.

Statistisch lässt sich das Phänomen noch nicht genau beziffern. Erhebungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) für die Zeit bis Ende 2008 zeigen, dass die Zahl der Belegschaftsaktionäre im zurückliegenden Konjunkturhoch sogar gesunken ist - als Instrument für eine "Teilhabe am Aufschwung" hätte der Investivlohn demnach noch an Bedeutung verloren. Nun aber gibt es ganz andere Vorboten der Trendwende. Sie heißen zum Beispiel "Opel" und "Schaeffler" - aber auch "Daimler". Viele unbekanntere Namen kommen hinzu.

So wenig sich die Einzelfälle in ihren Umständen vergleichen lassen, so sehr ähneln sich die Ansätze: Wenn ein Unternehmen krisenbedingt in raues Fahrwasser gerät, beginnen Verhandlungen über mögliche Einsparbeiträge der Arbeitnehmer. Warum also nicht Gehaltsverzicht und Kapitalbeteiligung kombinieren? So lassen sich gegenwärtige Ansprüche der Arbeitnehmer auf Barlohn in Ansprüche auf (hoffentlich) künftig wieder sprudelnde Gewinne umwandeln. Das verschafft dem Unternehmen kurzfristig Liquiditätsspielräume, und den Beschäftigten immerhin mittelfristige Chancen.

Bei alledem erweist sich nun aber, dass das erst im April 2009 endgültig in Kraft getretene neue Förderrecht der Großen Koalition einen störenden Schönheitsfehler hat: Der höhere Steuervorteil darf nach den Buchstaben des Gesetzes ausgerechnet dort nicht genutzt werden, wo die Mitarbeiterbeteiligung Krisenhilfe leisten kann. Zwar dürfen Unternehmen ihren Mitarbeitern jetzt jährlich Kapitalanteile im Wert von bis zu 360 statt bisher 135 Euro überschreiben, ohne dass diese als steuer- und abgabenpflichtiges Einkommen gewertet werden. Das gilt laut Gesetz aber nur, wenn die Anteile "zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn" gewährt werden. Wo die Beteiligung in einer Kombination mit Lohnverzicht Firmen entlasten könnte, packt der Fiskus zu.

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