Mitarbeiterbeteiligung
Mittelstand ist Becks Fonds-Idee zu umständlich

Wenige Stunden nach Bekanntwerden des SPD-Vorschlags zur Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmenskapital gibt es erste Reaktionen: Die mittelständische Wirtschaft findet das Ziel aller Ehren wert, doch den Weg falsch - und der „Linken“ ist die Idee offenbar schlicht zu kapitalistisch.

HB BERLIN. Beck hatte im Magazin Stern erklärt: „Ich schlage einen Deutschlandfonds für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor, in den die Arbeitnehmer einzahlen und der sich dann an ihren Unternehmen beteiligt“, sagte Beck dem Magazin „stern“. Durch die indirekte Beteiligung über den Fonds sollen „die Arbeitnehmer vor dem Risiko von Pleiten geschützt“ werden. „Wenn der Deutschlandfonds Beteiligungen beispielsweise an 1 000 Firmen besitzt, bricht er nicht zusammen, wenn mal zwei insolvent werden“, sagte Beck.

In dem SPD-Papier wird die Beteiligung als Dreiecksmodell dargestellt: Die Mitarbeiter der beteiligten Firmen kaufen Anteile; der Fonds stellt den Betrieben die jeweiligen Einlagen als Kapital zur Verfügung; über den Fonds fließen Gewinne, Zinsen und Tilgung an die Arbeitnehmer zurück. Das Konzept, das auch staatliche Zuschüsse und teilweise Steuerbefreiung vorsieht, wurde von einer SPD-Arbeitsgruppe unter Leitung von Fraktionsgeschäftsführer Olaf Scholz erarbeitet. Der Fonds soll professionell gemanagt werden - als Sachwalter brachte Beck die KfW-Bank ins Spiel.

Den Präsidenten des Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, stört am Beck-Modell vor allem die indirekte Konstruktion. Mitarbeiter müssten sich direkt am Unternehmen beteiligen, der Staat habe hier nichts zu suchen. „Das Fondsmodell von Kurt Beck ist viel zu kompliziert. Ich sehe zudem die große Gefahr, dass die Fondsmittel missbräuchlich verwendet werden, um beispielsweise Haushaltslöcher zu stopfen“, warnte Ohoven. Grundsätzlich begrüßte er eine Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmen. „Wer am Gewinn des Unternehmens partizipiert, ist motivierter und bringt mehr Leistung.“ Zudem könnten Firmen auf diesem Weg ihre Eigenkapitalbasis stärken.

Die Bundestagsfraktion der „Linken“ bezeichnete Becks Vorstoß als „Schnapsidee“. Fraktionschef Oskar Lafontaine meinte, angesichts der Lohnentwicklung in Deutschland sei die Idee geradezu absurd. „Die beste Möglichkeit, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an den Unternehmensgewinnen zu beteiligen, sind tarifliche Lohnsteigerungen.“

Lafontaines Vize Werner Dreibus warf der SPD vor, mit dem Konzept den Wählern Sand in die Augen streuen zu wollen, um die Niederlage beim Mindestlohn vertuschen. „Statt einen gesetzlichen Mindestlohn gegen die Blockade der CDU/CSU durchzusetzen, diskutiert die SPD nun, wie die Beschäftigten stärker am Unternehmensrisiko beteiligt werden können. Klar ist: Die Arbeitgeber werden die Möglichkeit der Beteiligung dazu nutzen, die Löhne zu drücken, die Tariferhöhungen niedrig zu halten und ihre Profite auf Kosten der Beschäftigten weiter zu steigern.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%