Mitgliederschwund: SPD bald nicht mehr größte Volkspartei

Mitgliederschwund
SPD bald nicht mehr größte Volkspartei

Die SPD steht kurz davor, ihre traditionelle Vorherrschaft als größte deutsche Volkspartei an die CDU zu verlieren – erstmals in der Geschichte. Ende vergangenen Jahres gab es nur noch knapp 3200 eingeschriebene Sozialdemokraten mehr als Christdemokraten – ein Jahr zuvor war der Abstand noch mehr als doppelt so groß, teilten die Parteizentralen auf Anfrage des Handelsblattes mit.

BERLIN. Zu ihren Glanzzeiten Mitte der 70er Jahre zählten die Sozialdemokraten mehr als eine Million Genossen. Allein 1972, im besten Jahr nach dem Krieg, lockten Willy Brandt und seine Politik 153 426 Menschen zusätzlich in die Partei. Ende Dezember 2007 umfasste die Kartei nur noch 539 861 Genossen.

Der Niedergang der Sozialdemokratie hat sich zuletzt sogar wieder beschleunigt: In den Jahren 2003 und 2004, als der Streit um die Agenda 2010 die Partei aufwühlte, sank die Zahl der Mitglieder jeweils um 40 000, 2005 hielt sich das Minus mit 15 000 Abgängen wieder in Grenzen. Im vergangenen Jahr stieg der Exodus jedoch wieder auf 22 000, das war ein Verlust von vier Prozent.

Auch die Christdemokraten verlieren Jahr für Jahr mehr Mitglieder als sie neu hinzu gewinnen – allerdings weniger schnell als die Sozialdemokraten. Im vergangenen Jahr betrug das Minus bei der CDU rund 17 000, zu Sylvester waren noch 536 668 Mitglieder registriert.

Lediglich die CSU meldet immerhin Stagnation: Der Mitgliederstand von rund 167 000 Christsozialen blieb im Lauf des vergangenen Jahres nahezu unverändert.

Doch auch die Liberalen und die Grünen können den Trend zur Parteien-Abstinenz nicht ganz entgehen, allerdings fallen deren Verluste prozentual deutlich geringer aus als bei den Volksparteien. So sank der Mitgliederbestand der FDP im vergangenen Jahr um gut ein Hundertstel auf 64 100 Liberale am Jahresende.

Die Grünen haben noch keine aktuellen Zahlen parat. Im Jahr 2006 schrumpften die grünen Beitragszahler um rund 400 auf 44 700. Die kleinste der im Bundestag vertretenen Parteien tröstet sich mit relativer Jugendlichkeit: Mit einem Durchschnittsalter von 46,3 Jahren seien die erst 1980 gegründeten Grünen die jüngste Partei.

Die aus ostdeutscher PDS und westdeutscher WASG fusionierte Linkspartei meldet derzeit rund 72 000. Durch die Auffrischung aus den alten Ländern mit rund 10 000 WASG-Mitgliedern, konnte der Niedergang der früheren PDS fürs erste gestoppt werden. Nach der Wiedervereinigung hatten die SED-Nachfolger noch 280 000 Mitglieder. 2004 waren es dann noch 62 000.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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