Mitgliederzahl
CDU verdrängt SPD vom Spitzenplatz

Nach den jüngsten Zahlen der SPD deutete es sich schon an, nun ist es amtlich: Die CDU hat mit aktuell 530 755 Mitgliedern erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die SPD von ihrem Spitzenplatz als mitgliederstärkste Partei verdrängt.

HB BERLIN. Die genaue Zahl zum Stichtag 30. Juni gab CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla am Montag in Berlin bekannt. Die SPD hatte zum Stichtag 529 994 Mitglieder, also 761 weniger.

Obwohl der Titel „Mitgliederstärkste Partei Deutschlands“ gut fürs Prestige ist, darf die aktuelle Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide großen Parteien seit Jahren Mitglieder verlieren. Bei der SPD vollzieht sich die Abwärtsentwicklung jedoch weitaus schneller. Im vergangenen Jahr verlor die SPD rund 20 000 Mitglieder. Bei der CDU gab es einen Schwund von rund 15 000 Mitgliedern.

Schon seit Monaten hatten sich die Mitgliederzahlen der beiden großen Volksparteien immer mehr angenähert. Zum Stichtag 31. Mai war der Abstand der CDU zu den Sozialdemokraten auf nur noch 438 Mitglieder geschmolzen. Im Monat davor hatte er noch 495 Mitglieder betragen und Ende März 1 625 Mitglieder.

Der Sprecher des rechten SPD-Flügels, Johannes Kahrs, hält die Mitgliederverluste seiner Partei für teilweise hausgemacht. Im Südwestrundfunk sagte Kahrs, zwar hätten beide großen Volksparteien derzeit Mühe, die Menschen zu begeistern. Bei den Sozialdemokraten komme aber hinzu, dass bei ihnen die Frage der Kanzlerkandidatur noch nicht geklärt sei. Das sei für viele „unbefriedigend, weil sie natürlich wissen wollen, in welche Richtung“ die SPD gehe.

Die Sozialdemokraten steckten in einer „strategischen Klemme“, meinte Kahrs. Auf der einen Seite stehe die CDU, die mit teilweise unfinanzierbaren Vorschlägen „immer weiter auch in das SPD-Klientel“ einbreche, sagte Kahrs. Auf der anderen Seite biete die Linkspartei immer etwas mehr an als die Sozialdemokraten bieten könnten, „weil wir in die Gefahr kommen, das umsetzen zu müssen“.

Der Politikwissenschaftler Jürgen Falter dagegen führt die Verluste der SPD auf den „doppelten Aderlass“ in den vergangenen 20 Jahren zurück. „Das sind zum einen die Grünen und zum anderen die Linke, die wiederum einen Schnitt ins Fleisch der SPD bedeutet: Da findet eine Auszehrung statt, gegen die fast kein Kraut gewachsen ist.“

Mit den schlechten Umfragewerten für den SPD-Chef hätten die Verluste nichts zu tun, sagt Falter: „Die Entwicklung hat es ja lange vor Kurt Beck gegeben, und es ist auch keine echte Beschleunigung feststellbar.“ Der Politologe erwartet, dass die Auszehrung der Volksparteien anhält. Die CDU stelle mit dem Bundespräsidenten und der Kanzlerin zwar die beliebtesten Politiker, verliere aber trotzdem Anhänger.

Anders als alle anderen Parteien gewinnt die Linkspartei Mitglieder hinzu. Ende Juni zählte die ein Jahr zuvor aus PDS und WASG fusionierte Partei 74 206 Mitglieder – „das waren rund 2200 mehr als Ende 2007“, sagte Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch dem Handelsblatt. Ende 2006 hatten die beiden Vorgängerparteien zusammen noch 69 000 Mitglieder.

Neue Mitglieder können auch Liberale und Grüne nicht gewinnen: Die FDP hat derzeit gut 64 000 Mitglieder, die Grünen rund 44 700.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%