Mittelfeldplatz im internationalen Bildungsvergleich
Deutschland schneidet bei Pisa 2 besser ab

Im zweiten internationalen Pisa-Test 2003 haben die deutschen Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften deutlich besser abgeschnitten als drei Jahre zuvor. Da eine Reihe anderer Länder zurückfiel, liegen die deutschen 15-Jährigen in beiden Kategorien sowie bei der Lesekompetenz im Mittelfeld. Im Jahr 2000 hatten sie in allen Bereichen noch deutlich unterdurchschnittlich abgeschnitten.

BERLIN. In der neuen Kategorie „Problemlösen“ rangieren sie sogar über dem Mittelwert. Das geht aus der neuen Pisa-Studie hervor, die heute offiziell vorgestellt wird und die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Fortschritte in Mathematik und den Naturwissenschaften führen Experten auf Veränderungen im Unterricht zurück, die bereits nach der 1997 durchgeführten Pisa-Vorgängerstudie TIMSS eingeführt wurden. Der Abstand zur Pisa-Studie 2000 sei dagegen zu kurz, als dass Konsequenzen daraus schon hätten wirken können, schreiben die Wissenschaftler des deutschen Pisa-Konsortiums in ihrem Bericht. Besser schnitten vor allem die Gymnasiasten ab, aber auch die Realschüler. Bei den Hauptschülern zeigte sich dagegen keine Veränderung.

Insgesamt wurden für Pisa 2003 in 30 OECD-Staaten und 11 weiteren Ländern rund eine Viertel Million 15-Jährige getestet. In Deutschland nahmen 4 660 Schüler an 216 zufällig ausgewählten Schulen teil. Der nächste Pisa-Test findet 2006 statt.

Der Pisa-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher, hatte wiederholt das dreigliedrige deutsche Schulsystem kritisiert, weil die frühe Trennung schwächere Schüler benachteilige. Das deutsche Konsortium weist dies mit Blick auf die Niederlande und Belgien zurück: Beide Länder rangierten trotz vergleichbarer Schulsysteme in der Spitzengruppe.

Nach wie vor außergewöhnlich groß ist in Deutschland der Zusammenhang von Schulerfolg und sozialer Herkunft. So haben Kinder aus dem obersten Viertel der Gesellschaft (gemessen am Berufsabschluss der Eltern) eine fast sechs Mal höhere Chance, auf das Gymnasium zu kommen, als gleich intelligente Kinder aus dem zweituntersten Viertel. Zudem ist die Spanne zwischen den Besten und den Schlechtesten hier zu Lande extrem groß. Länder wie Finnland, Kanada und die Niederlande zeigten, dass ein deutlich höheres Gesamtniveau auch bei einer geringen Streuung erreichbar sei.

Besondere Aufmerksamkeit brauchen die Kinder von Migranten, warnen die Autoren. Auffällig sei, dass Jugendliche, deren Eltern bereits vor ihrer Geburt zugewandert sind, noch schlechter abschneiden als Jugendliche, die mit ihren Eltern eingewandert sind, obwohl erstere die gesamte Schullaufbahn in Deutschland absolviert haben.

Am untersten Ende der Skala rangiert Deutschland bei der Nutzung von Computern in den Schulen. Nur 21 Prozent der 15-Jährigen berichten über regelmäßigen PC-Einsatz im Unterricht. Der OECD-Schnitt liegt bei 39 Prozent, in Ungarn, Großbritannien und Dänemark sind es mehr als 60 Prozent.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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