Mobilität
Wenn Autofahren die Haushaltskasse sprengt

Der Anstieg der Verkehrskosten in den vergangenen Jahren droht Mobilität immer mehr zum Luxusgut zu machen. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger fühlten sich inzwischen dadurch persönlich stark eingeschränkt, heißt es in einer neuer Studie des Deutschen Verkehrsforums. Die Experten warnen: „Wir haben eine kritische Grenze erreicht“.

BERLIN. Der 1984 aus dem Bahnforum hervorgegangene Verband versteht sich als überparteiliche Interessenvertretung. In ihm sind über 160 Unternehmen und Verbände aus allen Bereichen der Verkehrswirtschaft vertreten. Besonders betroffen seien Autofahrer, Berufstätige und Haushalte mit Kleinkindern.

„Die Studie zeigt, dass wir bei den Verkehrskosten eine kritische Grenze erreicht haben“, sagte Thomas Hailer, Geschäftsführer des Verkehrsforums. Denn den Klagen der Bürger stünden harte Fakten gegenüber. Mit Preissteigerungen von bis zu 36 Prozent seit 2000 sei die Kostendynamik bei Verkehrsleistungen inzwischen höher als bei den Ausgaben für Miete und Mietnebenkosten. „Seit 2003 rangieren die Verkehrsausgaben mit 13 Prozent bei den Ausgaben eines Durchschnittshaushalts nach den Wohnungskosten an zweiter Stelle.“ Für Nahrungsmittel geben die Bürger dagegen nur 10 Prozent, für Freizeit und Kultur 12 Prozent ihres Einkommens aus.

Gleichwohl zeigt die Repräsentativerhebung von Infas unter 2000 Befragten über 18, dass die Bürger bislang nicht bereit sind, aus Kostengründen auf ihr gewohntes Verkehrsverhalten zu verzichten. Mehr als die Hälfte nutzt als Verkehrsmittel immer noch ausschließlich das Auto. Zwei Drittel tun dies überwiegend. Rund ein Fünftel nimmt vor allem das Fahrrad um von A nach B zu kommen, fast ebenso viele Bus und Bahn.

Obwohl die Autofahrer am lautesten über die zum Zeitpunkt der Befragung im November bereits wieder gesunkenen Spritpreise klagen, wären sie bei einem weiteren Kostenanstieg allenfalls 24 Prozent bereit, das Autofahren einzuschränken. Ganz aufs Auto verzichten will fast keiner.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass 77 Prozent als Mobilitätszweck vor allem Beruf und Ausbildung angeben. Nur fünf Prozent sind denn auch bereit, aus Kostengründen auf berufliche Mobilität zu verzichten.

Entsprechend begrenzt ist auch die Bereitschaft, für den Klimaschutz ihrer Verkehrsverhalten grundlegend zu ändern. Nur sieben Prozent wollen dies tun, obwohl über 80 Prozent dem Thema eine hohe Priorität einräumen. Zwar wünschen sich zwei Drittel eine aktive Klimaschutzpolitik, doch nahezu ebenso viele lehnen die vollständige Weitergabe der Kosten an die Verbraucher ab. Die meisten (66 Prozent) sind aber bereit, auf klimafreundlichere Varianten ihres Verkehrsmittels umsteigen. Dazu passt, dass fast genau so viele beim Klimaschutz auf neue technologische Entwicklungen setzen. 32 Prozent halten dafürauch staatliche Umweltauflagen für sinnvoll, um die Entwicklung alternativer Antriebe zu fördern.

Auch das Verkehrsforum sieht in der auch durch die aktuellen Konjunkturprogramme geförderten Entwicklung von Elektro- und Wasserstoffautos sowie Biokraftstoffen das Mittel der Wahl. „Das dient dem Klimaschutz. Ökonomisch sinkt unsere Abhängigkeit vom Öl.“ Langfristig würde dies auch helfen, die Verkehrskosten zu stabilisieren, so Hailer. Noch seien Elektroautos in der Anschaffung deutlich teurer als Benzin- und Dieselautos. „Doch das wird sich ändern, wenn die ersten alternative Antriebe in die Massenfertigung gegangen sind.“

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