„Modell für Besserverdiener“
FDP mit Renten-Vorstoß isoliert

Die FDP steht mit ihrem Vorstoß für eine Rente ab 60 allein da. Aus der Union bekamen die Liberalen am Mittwoch heftige Kritik zu hören. Die Linke sieht Rentner mit 60 bereits „zum Tütenpacken beim Discounter“ verdonnert. Zustimmung gab es aber für den gemeinsamen Vorschlag der schwarz-gelben Koalition, die teure, staatlich geförderte Altersteilzeit Ende 2009 zu beenden.
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HB BERLIN. Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Heinrich Kolb, sagte der „Bild“-Zeitung, mit dem Auslaufen der Altersteilzeit Ende 2009 müsse es ein neues Angebot zum Übergang von der Arbeit in die Rente geben. Kolb schlug vor: „Künftig soll jeder Arbeitnehmer ab 60 die Möglichkeit haben, sich für eine Teil- oder Vollrente zu entscheiden.“ Zugleich müssten die Hinzuverdienstgrenzen für Rentner fallen.

Der CSU-Sozialexperte Max Straubinger kritisierte, der FDP-Vorstoß sei nur „ein Modell für Bestverdienende - es wären bei einem Renteneintritt mit 60 nämlich bis zu 25,2 Prozent Rentenabschlag in Kauf zu nehmen.“ Wenn 2010 die Rente ab 60 gelten würde, könnten schlagartig bis zu knapp einer Million zusätzlich in den Ruhestand gehen. „Das würde unmittelbar zusätzliche Vorfinanzierungskosten in Milliardenhöhe und eine deutliche Beitragssatzerhöhung von bis zu einem Prozentpunkt nach sich ziehen“, erläuterte Straubinger.

Auch der rentenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Weiß, wies den Vorstoß der FDP zurück. „Bei diesem Modell werden die Abschläge von der Rente so hoch sein, dass sich dies ein normaler Arbeitnehmer nicht leisten kann“, sagte Weiß der „Rheinischen Post“ (Donnerstagsausgabe). Weiß kritisierte den Koalitionspartner FDP: „Es ist müßig, jeden Tag einen Teil aus dem Wahlprogramm als öffentliche Forderung zu formulieren.“

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, lehnt die FDP-Forderung ebenfalls ab. „Wegen des demografischen Wandels ist die Verlängerung der Lebensarbeitszeit unerlässlich. Die heutige Rechtslage mit der moderaten Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre über einen langen Zeitraum reicht aus, um einen flexiblen Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen“, sagte der BDA-Präsident der „Bild“-Zeitung.

Auch der DGB ist gegen das „Besserverdienenden-Modell“. Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte: „Die astronomisch hohen Abschläge von bis zu einem Viertel der Rente können sich nur Menschen leisten, die zeitlebens extrem hohe Gehälter hatten und über ein dickes Sparkonto verfügen.“ Ein Kombi-Rentner, der sich mit Mini-Rente plus Mini-Jobs über Wasser halte, könne nicht ernsthaft von verantwortungsvollen Politikern gewünscht sein.

Der Vizevorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, kritisierte: „Mit ihrer plakativen Forderung, die „Rente ab 60' einzuführen, verdonnern die Liberalen in Wahrheit Mio. von Rentnerinnen und Rentnern zum Tütenpacken beim Discounter.“

Der Sprecher des Bundesarbeitsministeriums, Christian Westhoff, sagte, noch gebe es keine konkreten Überlegungen im Sozialministerium. Die Regierung strebe aber grundsätzlich an, dass die Menschen angesichts der alternden Gesellschaft länger arbeiten. Zudem dürfe es keine Anreize für mehr Frühverrentungen geben, und die Kosten müssten im Rahmen bleiben. Auf der anderen Seite müsse das Versorgungsniveau auch für diejenigen akzeptabel bleiben, die früher in den Ruhestand gehen.

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  • Seit bestimmt einem Jahrzehnt frage ich mich im Zusammenhang mit der Rentendiskussion, warum bei den Abschlägen bei 63 Jahren Schluß gemacht wird und nicht durch Hinnahme weiterer Abschläge von der Rente ein niedrigeres Renteneintrittsalter, z.b. 60 Jahre, möglich sein sollte. ENDLiCH bRiNGT EiNE PARTEi DAS THEMA vor, um aber gleich von allen Seiten angegriffen zu werden. Die vorgebrachten Argumente sind zumeist absolut lächerlich. So muß man nicht zu den bestverdienenden gehören, um einen Abschlag von 25 bis 30 Prozent zu verkraften! Auch schon mit einem Familienbruttojahreseinkommen im 5stelligen bereich über die Jahre ist dies m.E. realisierbar. Voraussetzung ist natürlich ein gewisser Konsumverzicht bei entsprechender Sparquote: Es muß ja nicht z.b. alle drei Jahre der Neuwagen her und jedem Trend hinterhergelaufen werden. Nochmals: Jeder sollte unter inkaufnahme von Abschlägen frei den Renteneinstieg entscheiden können. Es nützt auch nichts, in den Medien Gestalten aus Politik, Kultur und Wissenschaft als Testimonials zu präsentieren, die mit 75 Jahren noch arbeiten. Sie alle haben den Traumjob gefunden, wo es sich bis ins hohe Alter gerne arbeiten läßt. im breiten Heer der geburtenstarken Jahrgänge, denen leider die Gnade der frühen Geburt (Jahrgänge ca. 1943 bis 1953) verwehrt blieb, gibt es m.E. wegen Jobfrust genügend Ausstiegspotential. Die in den letzten Jahren veröffentlichten Zahlen zu diesem Thema sprechen bände. bleibt zu hoffen, dass der von der FDP eingebrachte Vorschlag ernsthaft diskutiert wird und nicht wieder schnell in der Versenkung verschwindet.

  • Da macht eine Partei mal einen vernünftigen Vorschlag, nämlich Rente mit 60, und keiner ist dafür.
    Lieber zahlt man für Arbeitslose und Arbeitsverweigerer, bevor man 60jährige in Rente gehen lässt. Der 60jährige Arbeiter hat mit 15 seine Lehre begonnen und 45 Jahre lang beiträge gezahlt.
    Wer sein Leben lang nicht Richtig gearbeitet hat,
    und immer nur auf wichtig gemacht hat, kann das natürlich nicht verstehen.

    mfG

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