Modell für Bund
Fischer gefällt Schwarz-Grün

Joschka Fischer mischt sich ein: Zwischen dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer und der Grünen-Führung sind Differenzen über mögliche künftige Koalitionen mit der Union aufgebrochen. Während die aktuelle Grünen-Spitze mit dem Hamburger Modell noch wenig anfangen kann, prescht Fischer mit gewagten Thesen vor.

HB BERLIN. Das Fünf-Parteien-System nach Etablierung der Linken erfordere neue Koalitionsoptionen, sagte Fischer auf einem Empfang aus Anlass seines 60. Geburtstags am Dienstagabend in Berlin. Bereits in einem Beitrag für „Zeit online“ hatte Fischer mit Blick auf Schwarz-Grün betont: „Selbstverständlich wird die Hamburger Koalition ­ entgegen allen Dementis - das entscheidende Vorbild für den Bund sein, wenn dies die Verhältnisse möglich machen oder gar erzwingen sollten. Was denn sonst?“

Fischer sagte, in Hamburg erwiesen sich die Grünen als entscheidender Veränderungsfaktor des deutschen Parteiensystems. Die Partei wisse, dass sie kaum ein großzügiges Angebot der Union ablehnen könnten. An einem solchen Angebot im Bund nach der Wahl 2009 zweifelt die Grünen-Spitze aber.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte der „Thüringer Allgemeinen“, er und Fischer hätten „verschiedene Perspektiven“. „Ich kann mir kein Bündnis vorstellen, bei dem nicht am Atomausstieg festgehalten und nicht eine ehrgeizige Klima- und Sozialpolitik vertreten wird.“ Grünen-Chefin Claudia Roth sagte dem „Stern“, Schwarz-Grün sei auch in anderen Bundesländern denkbar. Für den Bund gelte: „Das Unions-Programm müsste sich deutlich verändern.“

Spekulationen über mögliche Rückkehr

Fischer trat Spekulationen über eine mögliche Rückkehr in die aktive Politik entgegen. „Ich mische mich nicht ein. Es ist vorbei“, sagte er auf dem Empfang der Grünen-Fraktion. „Es war eine schwierige Zeit des Übergangs“, betonte er zur Phase der Grünen nach dem Ende der rot-grünen Regierung 2005. „Es wird noch schwieriger werden.“ Zentral sei, dass die Partei weiter realpolitischen Kurs mit Grundüberzeugungen verbinde. Der ehemalige Außenminister war am 12. April 60 Jahre alt geworden.

Nach eigenen Worten hatte sich Fischer während seiner Amtszeit von seiner Partei entfremdet. Nun betonte er, er hänge an „meiner Partei“. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn hob hervor: „Du hast die Grünen zur Macht geführt.“ In Erinnerung sei aber auch Fischers „methodischer Einsatz von schlechter Laune und Ungeduld“. An dem Empfang nahmen auch FDP-Chef Guido Westerwelle, Außenminister Frank- Walter Steinmeier (SPD) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) teil.

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