Modell-Uni kritisiert Gebührenmodell
Hessische Hochschullehrer machen Front gegen Studiengebühren

Die geplante Einführung von Studiengebühren in Hessen stößt nicht nur bei Studenten, sondern auch bei Hochschullehrern auf Kritik. Sollte die Landesregierung ab 2007 tatsächlich Einheitsgebühren von 500 Euro pro Semester vorschreiben, würde dies den Autonomiestatus seiner Hochschule verletzen, sagte der Präsident der TU Darmstadt, Johann-Dietrich Wörner, dem Handelsblatt.

BERLIN. Im Juli will die CDU-Regierung das Gesetz zur Einführung von Studiengebühren durch den Landtag bringen und so dem Beispiel anderer Unionsländer folgen. Wörner ist gegen das Bezahl-Studium, auch wenn es seiner Universität pro Jahr 14 Mill. Euro Mehreinnahmen bringen würde. Man müsse heute „froh sein über jeden, der ein Studium beendet“, argumentiert der Präsident. Das gesellschaftlich enorm wichtige Gut Bildung dürfe „nicht zum individuellen Konsumgut herabgestuft werden“. Mit seiner Kritik steht Wörner nicht allein: Auch die Präsidenten der Uni Kassel und der Fachhochschulen Hessens lehnen Gebühren ab.

Dass ausgerechnet Wörner sich an die Spitze der Kritiker stellt, ist deshalb pikant, weil er die unabhängigste der deutschen Hochschulen leitet. In der Zunft gilt sie als nationales Pilotprojekt, für das Hessen 2004 eigens ein Gesetz erlassen hat. Dieses soll die Eigenverantwortung der TU Darmstadt stärken, so dass diese „neue Entscheidungsstrukturen erproben“ kann.

Die deutsche Hochschulrektorenkonferenz hatte sich früh für Gebühren ausgesprochen. Seit das Bundesverfassunggericht Anfang 2005 das Gebührenverbot aufhob, haben sechs unionsregierte Länder beschlossen, Studenten zur Kasse zu bitten. Bei der Höhe der Gebühr lässt nur Nordrhein-Westfalen den Hochschulen freie Hand, alle anderen Länder planen einheitlich 500 Euro.

„Das Land sollte noch drauflegen“

Die Landesregierung müsse „der Autonomielinie treu bleiben“, die sie mit dem Gesetz für die TU Darmstadt eingeschlagen habe, fordert Wörner. Die logische Fortführung sei, den Hochschulen wie in Nordrhein-Westfalen selbst die Entscheidung über Gebühren zu überlassen. Sollte auch das nicht durchsetzbar sein, müsse ihnen zumindest erlaubt werden, frei über das Gebührenaufkommen zu entscheiden – etwa für hochschuleigene Stipendien für bedürftige oder gute Studenten.

Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) hält dagegen: Weil Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und NRW auf jeden Fall Gebühren einführen, könne Hessen nicht außen vor bleiben. Die Hochschulen des Landes würden die drohende „Sogwirkung“ nicht verkraften. Zur Abfederung erhält jeder Student Anrecht auf einen Kredit. Hessens Verfassung erlaubt nur dann ein „angemessenes Schulgeld“, wenn es die „wirtschaftlichen Lage“ des Schülers oder Studenten erlaubt. Nach einem Gutachten für das Land sind die geplanten Gebühren davon gedeckt. Die oppositionelle SPD plant trotzdem eine Verfassungsklage.

Wenn Gebühren nicht zu verhindern seien, müsse Hessen aber ebenfalls finanziell nachlegen, fordert Wörner. Derzeit liegt das Land bei den Ausgaben pro Student und Jahr mit 5600 Euro abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die Spitzenreiter Niedersachsen und Saarland geben mehr als 9000 Euro aus, im Schnitt sind es rund 7700. „Wenn die Studenten im Jahr 1000 Euro zahlen müssen, sollte das Land ebenso viel drauflegen“, meint Wörner. „Dann hätten wir zumindest den bundesdeutschen Durchschnitt erreicht.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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