Modell ursprünglich für VW entwickelt
Hartz bringt neues Arbeitszeitmodell ins Spiel

Der VW-Personalvorstand hat dem Reformkarussell mit einem neuen Konzept weiteren Schwung verliehen. Kernpunkte: Wiedereinführung der 40-Stundenwoche bei schrittweiser Arbeitszeitreduzierung auf bis zu 30 Wochenstunden für ältere Arbeitnehmer und einheitliche Vergütungsregeln für Arbeiter und Angestellte. Gewerkschaften und Arbeitgeber reagierten positiv auf den Hartz-Vorschlag.

HB BERLIN. Nach den Vorstellungen von Hartz sollen alle Arbeitnehmer künftig bis zum 65. Lebensjahr arbeiten, berichtete die „FAZ“ am Donnerstag. Da ältere Beschäftigte aber nicht mehr voll belastbar seien, sollen sie ihre Arbeitszeit im Laufe des Berufslebens schrittweise von 40 auf 30 Wochenstunden verkürzen können. Im Durchschnitt eines Berufslebens soll sich daraus eine Wochenarbeitszeit von 35 Stunden ergeben. Hartz betrachtet seine Vorstellungen, die er nach dem Bericht für die westdeutschen VW-Werke entwickelt hat, als Modell für die Industrie in Deutschland.

DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer begrüßte den Vorstoß von Hartz grundsätzlich. „Ich halte das für einen ganz wichtigen Gedanken“, sagte sie der dpa am Donnerstag in Berlin. Sie plädierte dafür, nicht nur älteren Arbeitnehmern die Möglichkeit für kürzere Arbeitszeiten zu geben, sondern diese auch auf jüngere Beschäftigte „in der Familienphase auszudehnen“. Dies sei Sache der Tarifparteien. Auch bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände wurde der Hartz-Vorschlag als grundsätzlich richtiger Ansatz gewertet. Er könne aber kein Maßstab für Ostdeutschland sein.

Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse (CDA), Hermann-Josef Arentz, widersprach Arbeitgeber-Forderungen nach zuschlagsfreier Samstagsarbeit. „Es gibt nirgendwo auf der Welt und nirgendwo im Geschäftsleben Flexibilität zum Nulltarif“, sagte Arentz. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sowie Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatten sich für den Verzicht auf Zuschläge für Samstagsarbeit ausgesprochen.

Arentz sagte: „Wenn die Unternehmen durch längere Maschinenlaufzeiten oder durch intensivere Nutzung des Kapitalstocks die Produktivität und die Gewinne steigern wollen, müssen die Arbeitnehmer daran auch einen gerechten Anteil haben.“ Nach Ansicht des CDA-Chefs muss überdies „endlich Schluss sein mit den dauernden Zumutungen und Verzichtsforderungen an die Adresse der Arbeitnehmer“.

Auch Engelen-Kefer lehnte die Arbeitgeber-Forderung ab: „Da geht es um nichts anderes, als bei schwacher Konjunktur und schlechter Beschäftigung den Leuten in die Taschen zu greifen.“ Damit würden lediglich die Einkommen weiter reduziert, die Binnennachfrage geschwächt und die Beschäftigung in Deutschland eingeschränkt. „Wie dadurch Wachstum entstehen soll, das ist das Geheimnis derer, die solche Vorschläge in die Welt setzen“, sagte die DGB-Vize.

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