Mögliche Selbstmordattentate
Terrorgefahr in Deutschland deutlich erhöht

Die Terror-Gefahr in Deutschland hat sich deutlich erhöht. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hält es nach jüngsten Erkenntnissen aus der Islamisten-Szene für möglich, dass Selbstmordattentäter erstmals hier zu Lande zuschlagen und warnte deutlicher als je zuvor vor einem terroristischen Angriff.

HB BERLIN. Innen-Staatssekretär August Hanning verglich die Situation mit der diffusen Bedrohungslage im Frühsommer 2001, als die extremistische Al-Kaida ihre verheerenden Anschläge in den USA vorbereitete. In Terrorlagern in Pakistan lassen sich nach Auskunft des Bundeskriminalamtes (BKA) derzeit Deutsche ausbilden, die zum Islam übergetreten sind. Zwar wurden drei festgenommen, sieben von ihnen befinden sich aber noch auf freien Fuß. Die Polizei verstärkte die Kontrolle der deutschen Grenzen.

Auch Deutsche in Afghanistan sind nach Angaben der Behörden verstärkt gefährdet. Erst am vergangenen Samstag sei bei Kabul ein Konvoi der deutschen Botschaft angegriffen worden. Es habe keine Verletzten gegeben, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Details nannte er nicht. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, betonte, die Sicherheitsvorkehrungen für die rund 3 000 deutschen Soldaten in Afghanistan seien bereits auf dem höchsten Stand. Ende Mai waren drei Soldaten der Bundeswehr bei einem Selbstmordanschlag in Kundus getötet worden.

Schäuble nannte die Bedrohung für Deutschland ernst. Der so genannte „home-grown“ Terrorismus mit Tätern, die im Westen aufgewachsen sind, beschäftige zunehmend Europas Sicherheitsbehörden. Auch Deutschland beobachte das Phänomen, dass Menschen ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet reisten, um sich dort zu Terroristen ausbilden zu lassen. Deshalb sei es dringend nötig, die gesetzlichen Voraussetzungen für Online-Durchsuchungen zu schaffen. Gut vorbereitete Anschläge ließen sich nur durch die konsequente Überwachung der Kommunikation zwischen den Extremisten verhindern.

BKA-Chef Jörg Ziercke sagte, es gebe zwar keine konkreten Hinweise, aber künftig müsse auch in Deutschland mit Selbstmordanschlägen gerechnet werden. Die Behörden wüssten von insgesamt zehn deutschen Konvertiten, die sich in pakistanischen Terrorlagern aufhielten. Drei der Deutschen seien festgenommen worden, nachdem der US-Sender ABC ein Drohvideo mit Bezug auf die Lager ausgestrahlt hatte. Die sieben übrigen befänden sich in Pakistan. „Wir sind besorgt und beunruhigt“, sagte Ziercke.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete vorab, einer der drei festgenommenen Deutschen habe in der Vergangenheit Zugang zur Kernforschungsanlage in Karlsruhe gehabt. Er solle für eine Ingenieursfirma gearbeitet haben, durch die er auch Zutritt zum Institut für Transurane im Umfeld des Forschungsreaktors Karlsruhe hatte. Der Mann werde seit 2001 als Gefährder eingestuft. Der 45 Jahre alte, eingebürgerte Deutsche sei am 18. Juni von pakistanischer Polizei festgenommen worden, als er auf dem Rückweg nach Deutschland gewesen sei. Die pakistanischen Behörden würden ihm vorwerfen, Kontakt zu Al-Kaida zu haben und in einem Lager an Sprengstoffen ausgebildet worden zu sein.

Innen-Staatssekretär Hanning warnte vor Panikmache und plädierte stattdessen für erhöhte Aufmerksamkeit. Die Behörden verfolgten mit Sorge, dass Al-Kaida in Pakistan wieder handlungsfähig sei, sagte er. Es gebe Hinweise, dass Anschläge in der Region, aber auch in Europa und den USA geplant würden. Gemeinsam mit den vermehrten Selbstmordanschlägen in Afghanistan und den gezielten Angriffen auf Deutsche dort ergebe dies ein beunruhigendes Bild. „Wir sehen in Pakistan, Afghanistan eine neue Qualität, und wir sehen vor allen Dingen auch bei den Drohungen eine neue Qualität. Es ist doch das erste Mal, dass gezielt mit Suizidanschlägen gedroht wird auch außerhalb der Region“, erklärte Hanning.

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