Mögliches Atommüll-Endlager geräumt
Polizei beendet Besetzung in Gorleben

Eine Besetzung des möglichen Atommüll-Endlagers in Gorleben ist von Polizeibeamten aufgelöst worden. Elf Stunden nachdem 12 Kernkraftgegner in einen 840 Meter tiefen Stollen eingefahren waren, wurden sie von der Polizei wieder ans Tageslicht geholt.

HB GORLEBEN. Nach rund elf Stunden hat die Polizei am Mittwochabend eine Besetzung des möglichen Atommüll-Endlagers in Gorleben beendet. Eine Gruppe von 12 Kernkraftgegner und einem Journalisten war am Vormittag als Besucher getarnt in den 840 Meter tiefen Stollen hinabgefahren und hatte sich geweigert, wieder nach oben zu kommen. Die Frauen und Männer hatten unter anderem das endgültige Aus der Erkundungsarbeiten für den Salzstock und ein Gespräch mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) oder dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, gefordert. Verletzt wurde bei der Aktion niemand.

Zunächst hatte König die Besetzung geduldet, aber per Anweisung untersagt, die Atomkraftgegner in der Tiefe mit Wasser und Verpflegung zu versorgen. Daraufhin gaben am Abend zunächst vier Aktivisten auf. Kurze Zeit später begann die Polizei mit der Räumung. Dies sei notwendig gewesen, weil die restlichen Besetzer in dem Stollen herumgelaufen seien, teilte das BfS mit. Damit hätten sie sich in Gefahr gebracht. Über ihre Anwältin sei dies den Besetzern auch mitgeteilt worden.

Vor dem Bergwerksgelände demonstrierten rund 80 Menschen mit Transparenten gegen die ungeklärte Situation in Gorleben. „Unser Anliegen ist ein endgültiger Baustopp und nicht nur ein Moratorium“, sagte Francis Althoff von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow- Dannenberg.

"Verfehlte Atompolitik"

Sowohl König als auch Trittin hatten sich geweigert, auf die Forderung der Gruppe einzugehen. Trittins Sprecher verwies darauf, dass der Minister ein „konsensorientiertes und ergebnisoffenes Suchverfahren“ für einen geeigneten Endlager-Standort eingeleitet habe. Auch das BfS lehnte die Forderung der Atomkraftgegner ab. „Wir haben erst vor vier Wochen zum letzten Mal mit der Bürgerinitiative gesprochen“, sagte Sprecher Dirk Daiber.

SPD und Grüne im Niedersächsischen Landtag erklärten, die Besetzung sei das Ergebnis einer verfehlten Atompolitik der CDU/FDP- Landesregierung. Das mögliche Endlager liegt in unmittelbarer Nähe zum umstrittenen Atommüll-Zwischenlager.

Die Erkundungsarbeiten in Gorleben waren von der Bundesregierung vor drei Jahren nach dem Beschluss zum Atomausstieg unterbrochen worden, weil die Suche nach einem geeigneten Ort für ein Endlager ausgedehnt werden soll. Gorleben war aber von Rot-Grün ausdrücklich nicht endgültig als Standort aufgegeben worden. Die Anti-Atom- Bewegung im Wendland hält den Salzstock für ungeeignet.

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