Monatsbericht
Europäische Zentralbank ruft zum Kampf gegen Finanzblasen auf

Die EZB will dem Entstehen von Blasen an den Vermögensmärkten frühzeitig entgegenwirken. Mit ihrer Feststellung, auch bei niedrigen Inflationsraten könnten sich gefährliche Ungleichgewichte aufbauen, revidiert die Notenbank ihre bisherige Haltung. Wenn Aktienkurse und Immobilienpreise stark steigen, sollen die Leitzinsen erhöht werden.
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FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) unterstützt indirekt die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der lockeren amerikanischen Geldpolitik. „Kein Mensch kann Interesse an neuen Blasen haben, sondern alle müssen sehen, dass das Wachstum diesmal in der Weltwirtschaft nachhaltiger und dauerhafter ist als das, was wir vor einigen Jahren erlebt haben“, hatte Merkel den USA am Mittwoch vor ihrer Abreise nach Seoul ins Stammbuch geschrieben. Am Donnerstag nun veröffentlichte die EZB in ihrem Monatsbericht einen Artikel, in dem sie erklärt, es sei Aufgabe einer Notenbank, dem Entstehen von Blasen an den Vermögensmärkten frühzeitig entgegenzuwirken. Damit revidiert die EZB ihre bisherige Haltung in dieser Frage.

Von einer Vermögenspreisblase spricht man, wenn die Preise von Aktien oder Immobilien stark steigen und allein die Spekulation auf eine Fortsetzung des Trends zu weiteren Preissteigerungen führt. Insbesondere in gegenwärtig relativ stark wachsenden Schwellenländern herrscht die Sorge, dass die extrem lockere Geldpolitik der US-Notenbank zu starken Kapitalflüssen in diese Ländern führt, die dort solche Blasen verursachen könnten.

Die EZB schreibt, aus den Erfahrungen der Krise habe man gelernt, dass sich auch bei niedrigen Inflationsraten gefährliche Ungleichgewichte aufbauen können, wenn gleichzeitig die Vermögenspreise ungebremst steigen. Eine Zentralbank könne gegensteuern, indem sie einen etwas restriktiveren Kurs in der Geldpolitik einschlägt, als sie dies allein mit Blick auf die Verbraucherpreise tun würde, also indem sie den Leitzins höher hält.

Vor der Finanzkrise war es nach Darstellung der EZB allgemeiner Konsens unter den Zentralbanken, die Wirtschaft nach Platzen einer Vermögenspreisblase mithilfe einer lockeren Geldpolitik zu stützen, nicht aber vorher zu versuchen, den Boom zu bremsen.

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  • Die EZb sollte den Mund nicht zu voll nehmen, denn sie besitzt überhaupt kein verlässliches Analyseinstrument, um Spekulationskapital von investitionskapital an den globalen Finanzmärkten sicher zu unterscheiden. Auf jeden Fall wehrt sie sich seit fünf Jahren, ein solches überhaupt anzuschaffen; stattdessen schüttet sie ihren alten Wein in neue Schläuche und bleibt kryptisch. Dabei ist ihr noch nicht einmal bewußt, das bereits im DAX bis bis zu 25% Spekulationskapital ist.

  • Dass banker etwas dazulernen ist Utopie. Kaum faßt der Aufschwung etwas Tritt, erwacht die Gier der banker, um über höhere Zinsen den Grundstock für noch höhere boni abzuschöpfen. Der bürger schaut in die Röhre, der Aufschwung kommt nicht bei ihm an. Das übliche Spiel.

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