„Monitoringbericht 2012“

Deutschen Stromnetzen droht der Kollaps

Häufiger denn je müssen die Betreiber von Stromübertragungsnetzen eingreifen, weil die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Versorgung gefährdet oder sogar gestört ist.
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Das deutsche Stromübertragungsnetz hat eklatante Schwächen. Quelle: dpa

Das deutsche Stromübertragungsnetz hat eklatante Schwächen.

(Foto: dpa)

BerlinDer „Monitoringbericht 2012“ von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt, der dem Handelsblatt vorliegt, legt eklatante Schwächen des deutschen Stromübertragungsnetzes offen. Häufiger denn je mussten die Betreiber von Stromübertragungsnetzen dem Bericht zufolge in den Netzbetrieb eingreifen, weil die „Sicherheit und Zuverlässigkeit“ der Versorgung „gefährdet oder gestört“ war. Die Zahl der angespannten Netzsituationen sei „insgesamt stark angestiegen“, es seien „insgesamt auch mehr Gebiete“ betroffen, fassen die Autoren des Berichts zusammen. Der Bericht soll an diesem Mittwoch präsentiert werden.

Im Detail sind die Ergebnisse erschreckend: Auf einem Leitungsabschnitt zwischen dem niedersächsischen Sottrum und dem hessischen Borken summierten sich die brenzligen Situation im vergangenen Jahr auf 319 Stunden. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 1242 Prozent. Auf einem Leitungsabschnitt vom thüringischen Remptendorf ins bayerische Redwitz betrug der Anstieg im vergangenen Jahr zwar nur um 218 Prozent. Die kritischen Stunden summierten sich 2011 aber auf 1727.

Alternative Wege für die Netzausbaufinanzierung

Auslöser der wachsenden Unsicherheit ist der stetig steigende Anteil erneuerbarer Energien. Ihre Leistung ist mitunter sehr volatil. Phasen mit einem Überschuss an Wind- oder Sonnenstrom wechseln sich mit Flauten ab. Um die Netze stabil zu halten, müssen die Netzbetreiber eingreifen. Sie fahren Kraftwerke hoch und runter, um Engpässe zu vermeiden oder zu beseitigen. Neue Leitungen sind dringend erforderlich, um den wachsenden Anteil der Erneuerbaren sinnvoll ins Gesamtsystem zu integrieren und den Strom von den windreichen Küstenregionen im Norden Deutschlands in die Verbrauchszentren im Süden und Südwesten zu leiten.

Doch die Aussichten sind düster: Von 1834 Kilometern, die bereits mit dem Energieleitungsgesetz (EnLAG) von 2009 als vordringlich eingestuft wurden, sind laut „Monitoringbericht“ erst 214 Kilometer realisiert. Bis Ende 2012 kommen dem Bericht zufolge nur 35 Kilometer hinzu. „15 der 24 Vorhaben haben voraussichtlich einen Zeitverzug zwischen einem und fünf Jahren“, heißt es in dem Bericht.

Bei der Bewertung der Versorgungssicherheit schlägt der Monitoringbericht einen skeptischen Ton an. Für den Fall, dass gleichzeitig Teile des Netzes und ein Großkraftwerk ausfielen, habe sich „die potenzielle Überlastung einzelner Leitungstrassen und die Spannungshaltung in Süddeutschland sowie im Raum Hamburg als besonders problematisch gezeigt“, heißt es in dem Bericht.

Aufschluss gibt der Bericht auch über die Preise. Demnach zahlen private Haushalte in Deutschland mit einem Durchschnittswert von 25,3 Cent je Kilowattstunde inklusive Steuern und Abgaben die zweithöchsten Strompreise in Europa. Nur die dänischen Verbraucher zahlen noch mehr.

 
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53 Kommentare zu "„Monitoringbericht 2012“: Deutschen Stromnetzen droht der Kollaps"

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  • Super - endlich haben wir Lokalitäten für Endlager bei wirklich überzeugen Atomkraftnutzern, bitte melden Sie umgehend Ihre Adresse als Kandidat.

  • ..Atomkraftgegner überwintern... bei Dunkelheit mit kaltem Hintern....

    Ein Possenspiel in X Akten!!! Und wie immer in allen Bereichen ein Armutszeugnis für Deutschland

    .. und da lachen tatsächlich noch einige über die "Prepper"...

    Leute geht mal Kerzen kaufen, damit Ihr Weihnachten nicht im dunkeln verbringt! ;-))))))

  • @svebes
    Wenn man keine Ahnung hat, bitte schweigen. Die Netze wurden nie vom Staat verschenkt, sie waren schon immer im Besitz von privatwirtschaftlich agierenden Unternehmen (zum Großteil unter kommunaler Aufsicht-selbst solche wie RWE und die Vorgänger von Eon). Jetzt von Art "Heuschrecken" zureden entbehrt jeder Logik.
    Da schein mal wieder die Industrie Paranoia um sich zu greifen.

  • @kfvk
    In Fukushima wird wieder gebadet, so schlimm war der Unfall, ha ha ah!
    Der deutsche Michel fällt auf alles herein, ist schon Napoleon aufgefallen weshalb er es so leicht bei uns hatt.

  • @ihr
    Ihr wollt also das schlimme Treibhausgas Methan erzeugen?
    Unfassbar kontraproduktiv, Methan sollte verboten werden, zumindest stärker besteuert werden als das harmlose CO2

  • Aber das Problem steht ohnehin an gelöst zu werden !

    EU will Deutschland zur Endlager-Suche zwingen

    Berlin - Wie einen Wanderpokal reichten die Regierungen in Deutschland das Problem Atommüll-Endlager immer weiter, kritisiert EU-Energiekommissar Günther Oettinger in der Zeitung "Die Welt". Die Suche nach einem Lager dauert bereits Jahre. "Aber niemand kommt einer Lösung näher", so Oettinger. Jetzt will die Kommission Berlin zum Handeln zwingen.

    Die EU-Minister beschlossen bei einem Treffen in Brüssel am Dienstag eine entsprechende europäische Richtlinie. Demnach müssen alle 14 EU-Länder, die derzeit die Nuklearenergie nutzen, spätestens bis 2015 konkrete Pläne für die Entsorgung von Atommüll vorlegen. Dies gilt auch für radioaktive Abfälle aus Medizin, Forschung und Industrie. Oettinger sprach nach der Sitzung von einem "wesentlichen Erfolg für die Nuklearsicherheit".
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/atommuell-eu-will-deutschland-zur-endlager-suche-zwingen-a-775233.html

  • Transmutation erzeugt Energie! Pilotanlagen laufen bereits seit mehr als 10 Jahren in Japan.

  • @ Gast
    Die belgische Anlage soll wohl 2023 fertig sein!

    Und haben denn alle hier vergessen, wie die Sicherheit in deutschen KKW kürzlich eingeschätzt wurde? Störfälle etc. Was ist wenn Fukushima oder Tschernobyl in Deutschland stattfindet?

  • Das ist noch lange nicht das ende der Fahnenstange !
    Auch in der "Eingedampften " Version ist der Landverbrauch der EE enorm !
    Es wird nicht nur die Fläche an sich gebraucht , auf denen diese Anlagen stehen , durch die großflächige Verteilung dieser anlagen , werden Wirtschafts und Wartungswege (Straßen ) gebaut und unterhalten werden müssen , über Erdkabeln und unter Überlad Leitungen haben Landwirte und Waldbauern nichts mehr zu suchen .
    Nun wurde zwar der Leitungsbau "eingedampft " aber das ist sicher nur aufgeschoben , denn die Stromtrassen werden ja trotzdem gebraucht !
    "Vorerst nur 2800 statt 4400 Kilometer im bestehenden Höchstspannungsnetz so zu optimieren, dass sie fit werden für die schwankende Ökostrom-Einspeisung."

    Ein Kilometer Hochspannungsleitung kostet im Durchschnitt eine Million.
    Eine summe die einzig und allein für den Leitungsbau bereitgestellt werden muss !

    Aber die Rechnung kommt immer zum Schluss liebe freunde , und die, die damals "abschalten sofort " brüllten , würden das heute sicher nicht mehr so tun, es könnten ihnen ja peinlich fragen gestellt werden die sie nicht beantworten möchten oder können .
    In einem anderen Beitrag war zu lesen , es sollen doch nur die die EE Umlage bezahlen , die damals das so wollten , Bild und Tondokumente gibt es schließlich massenhaft in den "Ablagen" Deutscher Medien .

    Meine Nachbarin war auch dabei , immer wenn ich sie darauf anspreche , bekommt sie einen roten Kopf und ihr blick geht suchend in andere Richtungen .
    Deswegen wird sie sich das noch eine ganze weile anhören müssen !

  • @ihr - Sie haben es genau beschrieben
    tja, es wird ja auch immer negiert, dass die "energieerzeuger" das ganze Netz quasi selbst bezahlt hätten. Stimmt nicht, als sie es quasi incl. Land bekamen fiel ihnen nur eins ein. Geld machen, rausziehen was geht und hoffen das wenn es zusammenbricht der kleine Bürger zahlen soll. Quasi Griechenlandmodus. Es wurde über lange, lange Jahre nur Geld ohne Ende gemacht, die Gewinne ohne Rücklagen ausgeschüttet und gelogen und betrogen. In die Erhaltung wurde quasi nichts investiert. Wers nicht glaubt kann ja mal einen eben verrenteten Ingenieur, oder Arbeiter, aus der Branche fragen. Oder glauben Sie etwas den Managern und Politikern? Unsere

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