6 Bewertungen **
09.07.2008 
Expertengremium

Monopolkommission: Nur noch „Mindestversorgung“ im Krankenhaus

Der Krankenhausmarkt muss nach Ansicht der Monopolkommission des Bundes stärker auf Wettbewerb ausgerichtet werden: Bei der Krankenhausplanung dürfe nicht länger die Gewährleistung einer allumfassenden Krankenhausversorgung im Blick stehen.

Das Expertengremium schlägt vor, sämtliche Betriebsausgaben und Investitionen der Krankenhäuser über Fallpauschalen zu decken. Foto: dpaLupe

Das Expertengremium schlägt vor, sämtliche Betriebsausgaben und Investitionen der Krankenhäuser über Fallpauschalen zu decken. Foto: dpa

HB BERLIN. Es müsse es um die Sicherstellung einer „erforderlichen Mindestversorgung“ gehen, forderte der Gremiumsvorsitzende Jürgen Basedow am Mittwoch in Berlin. Für weitere Leistungen müssten Finanzierungswege gefunden werden, damit die Kliniken ihr Angebot am Bedarf vor Ort ausrichten und stetig fortentwickeln könnten.

Das Expertengremium schlägt in seinem neuen Hauptgutachten vor, sämtliche Betriebsausgaben und Investitionen über Fallpauschalen zu decken. „Politisch erwünschte Zusatzangebote ließen sich sodann in effizienter Weise durch wettbewerbskonforme, wiederkehrende Ausschreibungen sicherstellen“, sagte Basedow.

Die Kommission schlägt zudem die Einführung spezieller Krankenkassentarife vor, für die die Kassen mit einzelnen Kliniken spezielle Verträge abschließen. Den Versicherten wird dann die Möglichkeit eröffnet, freiwillig einen günstigeren Tarif als den Standardtarif zu wählen. Im Gegenzug müssen sie sich verpflichten, bestimmte Behandlungen nur in Vertragskrankenhäusern vornehmen zu lassen.

Die Kommission berät die Regierung als unabhängiges Gremium in Wettbewerbsfragen. Wirtschafts-Staatssekretär Jochen Homann kündigte an, die Regierung werde die Anregungen sorgfältig prüfen und bis Ende des Jahres eine Stellungnahme erarbeiten.

Über die Finanzierung der über knappe finanzielle Mittel klagenden Krankenhäuser wird derzeit heftig diskutiert. Bisher bezahlen die Kassen über Fallpauschalen die medizinischen Behandlungen und den laufenden Betrieb, während die Länder für Investitionen zuständig sind.

Die Regierung wirft den Ländern jedoch vor, ihrer Verpflichtung in diesem Bereich nur unzureichend nachzukommen. Derzeit stehen die Kliniken zudem wegen der Tarifabschlüsse und der Deckelung des Preisanstiegs unter Druck.

Nach Angaben der Kommission reagieren die Kliniken zunehmend mit Rationalisierungen, Fusionen und der Privatisierung öffentlicher Krankenhäuser. Basedow sprach sich dafür aus, bei Fusionen die Schwelle, ab der das Kartellamt gehört werden muss, herunterzusetzen. Derzeit müssen Zusammenschlüsse bei einem Gesamtumsatz von 500 Millionen Euro angemeldet werden. Die Schwelle müsse um ein Drittel reduziert werden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Alles läuft auf ihn zu: Frank-Walter Steinmeier könnte die SPD bei der Wahl 2009 anführen. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick. Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

  • McCain begeistert die Rep...

    McCain begeistert die Republikaner

    Hurrikan Gustav und eine Schwangerschaft wirbelten den Parteitag der Republikaner durcheinander. Doch Vizekandidatin Palin begeisterte trotz des Familien-Skandals. Das Parteitreffen rundete dann John McCain mit einer umjubelten Rede ab.Bildergalerie 

  • Krönung und Konfetti

    Krönung und Konfetti

    Der Parteitag der Demokraten ist im vollen Gang. Die Show in Denver soll Begeisterung und Siegesgewissheit vermitteln. Es geht darum, die Herzen der Amerikaner zu gewinnen. Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Mac bleibt Mac - aber reicht das?  Artikel in Merkliste

05.09.2008 von Georg Watzlawek

John McCain ist sich bei seiner Abschlussrede auf dem Parteitag der Republikaner treu geblieben. Auf direkte Angriffe auf seinen Konkurrenten Barack Obama verzichtet er. Allerdings auch auf jeden konkreten Verweis, wie er seine Lebenserfahrung zum Wohle der Amerikaner im Inneren einsetzen will. Kommentar