Montgomery kritisiert Arbeitgeber
Klinikärzte wollen Streik verschärfen

Im Tarifstreit der Klinikärzte erhöht der Marburger Bund den Druck auf die Arbeitgeber. Man werde sich in den nächsten Tagen und Wochen auf „noch schmerzhaftere Aktionen“ konzentrieren, sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, am Montag in Berlin.

HB BERLIN. Zu Beginn der dritten Streikwoche kündigte Montgomery an, die Arbeitskämpfe vor allem auf Kliniken mit hohen Einnahmeausfällen zu konzentrieren. Zudem sollen die Streiks auch auf Forschung und Lehre an den Universitäten erweitert werden: „Der Streik wird jetzt zum Komplettstreik ausgedehnt.“ Schließlich soll mit bundesweiten Sammelklagen per Gericht die Bezahlung der „millionenfach unvergüteten Überstunden“ eingefordert werden.

An Universitätskliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäusern streiken die Mediziner für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Sie fordern eine leistungsgerechtere Vergütung, eine Erhöhung der Ärzteeinkommen um 30 Prozent sowie die Beibehaltung eines 13. Monatsgehalts. Die Gespräche mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) haben bisher kein Ergebnis gebracht.

Auch kommunalen Krankenhäusern drohen Streiks. Sollten die Arbeitgeber in der nächsten Runde am 11. April kein Angebot vorlegen, werde über ein Abbruch der Verhandlungen und Streiks entschieden. Die städtischen Kliniken haben laut Montgomery aber die „realistische Chance, sich Streiks zu ersparen“. Für die 2200 Ärzte des Berliner Klinikums Charité sollten die Tarifverhandlungen noch am Montag fortgesetzt werden. Wenn das Angebot nicht den Vorstellungen der Ärzte entspreche, sei vorstellbar, dass auch an der Charité Ende dieser Woche über Streiks entschieden werde. Mit der Charité wird gesondert verhandelt, da Berlin kein TdL-Mitglied mehr ist.

„Wir sind kampfbereit und kampffähig“, sagte Montgomery. Er forderte Arbeitgeber und Landspolitiker auf, ein „substanziell verbessertes Angebot“ vorzulegen. „Ich warte jetzt endlich auf ein Angebot der Tarifgemeinschaft.“ Die jüngste Offerte sei eine „Mogelpackung“, die zu Einkommensverlusten von vier Prozent führe.

Nach dem Streikauftakt in dieser Woche an den Uni-Kliniken München, Essen, Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm ist für diesen Dienstag eine bundesweite Protestveranstaltung in Ulm geplant. Einen neuen Gesprächstermin mit der TdL gebe es nicht. Mit Blick auf die Sondierungsrunde mit dem Verhandlungsführer und niedersächsischen Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) sprach der Marburger Bund von einer „ausgesprochen schwierigen Situation“.

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