7 Bewertungen *****
22.07.2008 

Die gute Stimmung in Hamburg könnte sich dadurch schnell trüben. Beim Kraftwerk wird sich zum ersten Mal zeigen, wie stabil die schwarz-grüne Koalition wirklich ist. Wenn Moorburg nicht verhindert werden könnte – der aus Sicht der GAL gut verhandelte Koalitionsvertrag wäre auf einen Schlag weniger wert. Wer mit dem Slogan „Kohle von Beust“ gegen den „Klimakiller Moorburg“ Wahlkampf macht, wird daran gemessen. Die GAL-Fraktion ist deshalb sehr zurückhaltend. Die Frage nach einer Genehmigung sei „hypothetisch“, sagt deren Umweltsprecherin Jenny Weggen: „Wir gehen weiter davon aus, dass Moorburg nicht genehmigungsfähig ist.“ Über die Konsequenzen, wenn Moorburg doch gebaut werden müsse, will sie nicht sprechen. Und was mit der CDU geschähe, wenn das Projekt scheitere? „Dann werden wir uns schon verständigen“, sagt Weggen.

Vattenfall überlässt Bewertungen den Anwälten – rechtlich und politisch. „Es gibt keine Sachgründe, die gegen Moorburg sprechen, da bleiben nicht mehr viele andere Möglichkeiten“, bleibt eine Sprecherin vage. Der Schriftsatz zur Untätigkeitsklage von Vattenfall, der dem Handelsblatt vorliegt, ist deutlicher: Die Behörde habe sich schon vor der Wahl politischem Druck gebeugt und die Genehmigung verzögert. Die Anwälte zitieren etwa ein Schreiben der Behörde vom 8. Februar 2008: Es gäbe „komplexe Entscheidungssituationen“, auf die „die zuständige Genehmigungsbehörde selbst keinen Einfluss habe“.

Jetzt prallt der politische Wille einer neuen Behördenleiterin Hajduk auf das Dickicht rechtlicher Bewertungen. Zu Moorburg liegen mittlerweile 51 Gutachten auf dem Tisch. Am Ende wird die Politik entscheiden und sich dann einer endgültigen Überprüfung der Justiz stellen müssen. Vattenfall hat nach eigenen Angaben bereits 300 Mill. Euro investiert, Verträge über weitere 1,6 Mrd. Euro seien unterschrieben. Ob die Hamburger bereit sind, für das Aus eines Kraftwerks möglicherweise Schadensersatz in Milliardenhöhe zu zahlen, wird am Ende über das Schicksal der ersten schwarz-grünen Landesregierung entscheiden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar