Mordfall Buback
Bundesanwälte fordern Herausgabe der RAF-Akte

Die Bundesanwaltschaft will einen weiteren Versuch unternehmen, doch noch an eine RAF-Akte des Verfassungsschutzes zum Mordfall Buback zu kommen. Sie soll wichtige Informationen enthalten. Ein gut informierter Ermittler äußerte aber erhebliche Zweifel daran, ob mit Hilfe der Akten der Durchbruch bei der Aufklärung des Buback-Mordes gelingen würde.

HB KARLSRUHE. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa haben sich an diesem Donnerstag Vertreter der Karlsruher Ermittlungsbehörde und des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) in Berlin getroffen. Die Bundesanwaltschaft pocht auf die Herausgabe eines Auswerteberichts und einer Fallakte vom Anfang der 80er Jahre, in dem der Ex-Terrorist der Rote Armee Fraktion (RAF) Stefan Wisniewski als Todesschütze beim Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seinen beiden Begleitern im April 1977 genannt wird..

Wisniewski war wegen Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer, nicht aber im Fall Buback verurteilt worden. Seit April des vergangenen Jahres wird aufgrund einer Aussage des Ex-Terroristen Peter-Jürgen Boock erneut gegen ihn ermittelt.

Das BfV hatte der Bundesanwaltschaft am 15. Juli 2007 mitgeteilt, dass nach einer „älteren unbestätigten Einzelinformation“ Wisniewski der Schütze beim Buback-Attentat gewesen sein soll. Die Unterlagen werden vom Verfassungsschutz aber aus Gründen des Quellenschutzes nicht für Beweiszwecke in den Wisniewski-Ermittlungen herausgegeben. Die Bundesanwaltschaft hat nach Angaben des stellvertretenden Behördenleiters Rainer Griesbaum mehrfach nachgehakt und „Gegenvorstellung“ gegen die Ablehnung erhoben - bisher vergebens. Dies deute darauf hin, dass die Akten möglicherweise durch das Bundesinnenministerium gesperrt werden sollten, hatte Griesbaum bei einer Pressekonferenz im Dezember gesagt.

Nach Medienberichten sollen die Unterlagen auf eine Aussage der Ex-Terroristin Verena Becker zurückgehen, die sich Anfang der 80er Jahre gegenüber dem Verfassungsschutz offenbart haben soll. Den Namen Becker hat die Bundesanwaltschaft bisher nicht bestätigt. Nachdem Bundesanwälte inzwischen aber Einblick in die Akten erhalten haben - ohne sie jedoch mitnehmen zu dürfen -, können sie nach dpa- Informationen sicher zuordnen, von wem die Aussage stammt.

Ein gut informierter Ermittler äußerte gegenüber der dpa aber erhebliche Zweifel daran, ob mit Hilfe der Akten der Durchbruch bei der Aufklärung des Buback-Mordes gelingen würde. Denn die Informationen müssten durch weitere Beweise untermauert werden. Bisher gibt es aber nach Griesbaums Angaben vom Dezember nur sehr vage Hinweise auf eine Täterschaft Wisniewskis.

Nach den gerichtlichen Feststellungen in den 80er Jahren waren Christian Klar, Knut Folkerts und Günther Sonnenberg unmittelbar an dem Karlsruher Anschlag beteiligt; als Drahtzieherin wurde Brigitte Mohnhaupt verurteilt. Klar, Folkerts und Mohnhaupt sollen nun durch Beugehaft zu einer Aussage gezwungen werden.

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