Morning Briefing
Merkel vs. Thatcher

Angela Merkel in der Flüchtlingskrise erinnert an die Halsstarrigkeit einer Margaret Thatcher. Erdogans AKP überrascht mit deutlichem Sieg. Und Martin Blessing mit einer Entscheidung. Was heute sonst noch wichtig wird.

Liebe Leserinnen und Leser,
die wichtigsten Neuigkeiten am frühen Morgen mit Ausblick auf den Tag – börsentäglich zusammengefasst in meinem aktuellen Morning Briefing.

So ändern sich die Zeiten: Der überraschend eindeutige Wahlsieg des türkischen Präsidenten Erdogan und seiner AKP wird in Europa nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance wahrgenommen. Nur ein starker Erdogan kann sich auf das von der EU (und Angela Merkel) angebotene Geschäft einlassen: mehr Flüchtlinge gegen frisches Geld, zusätzliche Auffanglager gegen eine weitere Annäherung der Türkei an die EU. Das europäische Angebot ist beides – unmoralisch und klug. Und damit wie maßgeschneidert für Erdogan.

Die Flüchtlinge strömen, aber die drei Regierungsparteien CDU, CSU und SPD können sich nicht zusammenraufen. Als wollten Gabriel, Seehofer und Merkel die „Spiegel“-Titelgeschichte vom Freitag („Der Kontrollverlust“) bestätigen, brachen sie am Sonntag ein Gipfelgespräch im Kanzleramt zur Mittagszeit ergebnislos ab. Deutschland wird derzeit von einer Koalition der Unwilligen regiert.

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Vor allem der Druck auf Merkel war nie höher als zur Zeit. In dem gestern Abend zwischen CDU und CSU verabredeten Positionspapier (Hier geht's zum Download.) verweigert die CDU-Vorsitzende Höchstgrenzen für die Aufnahme von Flüchtlingen. Man fühlt sich an die Halsstarrigkeit einer Maggie Thatcher erinnert, die trotz wachsender Arbeitslosigkeit ihre Liberalisierungspolitik im Oktober 1980 auf dem Parteitag der Tories mit den denkwürdigen Worten verteidigte: „I have only one thing to say: You turn [U-Turn] if you want to. The lady's not for turning.“ Thatchers Durchhaltewillen wurde belohnt. Die Arbeitslosenzahl sank, die Zeit arbeitete für sie. Im Falle Merkels steht anderes zu befürchten: Die Flüchtlingszahl steigt, der Unmut auch, die Zeit arbeitet gegen sie. Wenn man am frühen Morgen der Kanzlerin zu einem raten darf, dann wohl zum U-Turn, der Kehrtwende. Oder sie schreibt Neuwahlen aus. Denn für das, was sie derzeit tut, besitzt sie zwar die exekutive Macht, aber kein politisches Mandat.

Für rund fünf Millionen Euro hat NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans erneut eine Steuersünder-CD aufgekauft. Sie wird, so schätzen seine Experten, zu Steuermehreinnahmen in Höhe von 600 Millionen Euro führen. Unsere heutige Exklusivgeschichte des Investigativ-Teams von Sönke Iwersen erzählt die Details. Falls Sie in den Jahren 2006 bis 2011 zu den Sündern zählten und es jetzt gerade an der Haustür klingelt: Die Chance ist groß, dass es sich um die Staatsanwaltschaft aus Köln und die Steuerfahndung aus Wuppertal handelt. Beide planen für diese Woche erste gemeinsame Hausdurchsuchungen.

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Commerzbank-Chef Martin Blessing will aufhören. Obwohl ihm der Aufsichtsrat eine Vertragsverlängerung anbot, gab die Bank gestern Abend bekannt, dass er keine weitere Amtszeit anstrebe. Im Oktober 2016 soll Schluss sein. Diejenigen – auch wir beim Handelsblatt –, die Blessing immer wieder für seine Dresdner-Bank-Übernahme, die Teilverstaatlichung nach der Finanzkrise, die Probleme bei der Schiffsfinanzierung und die bisher ausgefallenen Dividenden kritisiert hatten, blicken schon heute Morgen deutlich milder auf den Noch-Vorstandschef. Er hat die Bank eben nicht nur in die Krise hinein, sondern auch wieder hinausgeführt. Das bleibt. Die Erinnerung malt schon jetzt mit goldenem Pinsel.


Ich wünsche Ihnen einen gelassenen Start in die neue Herbstwoche.
Herzlichst grüßt Sie Ihr


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