Moslems protestierten
Friedliche Demos gegen Karikaturen

Mehrere tausend Moslems haben in Düsseldorf und in Berlin gegen die Mohammed-Karikaturen protestiert und sind dabei auch vor dänische Einrichtungen gezogen. Die Demonstrationen verliefen friedlich.

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Zu Ausschreitungen, wie in einigen islamischen Ländern, kam es nicht. In Düsseldorf zogen nach Angaben der Polizei rund 2500 Menschen vor das dänische Honorarkonsulat, das weiträumig abgeriegelt worden war. „Hinter der Pressefreiheit verbirgt sich der Hass gegen Muslime“, war auf Plakaten zu lesen. „Respektiert unsere Propheten“, skandierten die Demonstranten. Ein Sprecher sagte, die zuerst in Dänemark veröffentlichten Karikaturen seien eine „plumpe Provokation“. Der Islam verbiete die Abbildung Mohammeds.

Auch in Berlin versammelten sich Muslime vor der dänischen Botschaft. Die Demonstration war von einem türkischen Geschäftsmann angemeldet worden. Während er von etwa 500 Teilnehmern ausgegangen war, erschienen nach Schätzungen der Polizei aber weit weniger Menschen. Auf Transparenten forderten sie „Hört auf mit Hohn und Spott auf den Propheten und auf Gott“ oder „Beleidigung ist nicht Meinungs- und Pressefreiheit“.

In Düsseldorf sagte der Sprecher der Kundgebung, Muslime würden in Dänemark jeden Tag beleidigt. Er mahnte auch, Religion dürfe niemals zur Rechtfertigung von Gewalt genutzt werden. Die Demonstranten hatten sich getrennt nach Männern und Frauen zu dem Protestmarsch gesammelt. Am Rande des Protestzuges kam es zu einem kurzen Tumult, als eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten ein Transparten mit einem roten Stern und der Inschrift: „Für Pressefreiheit und das Recht auf Blasphemie“ entrollten. Polizei und Ordnern gelang es aber, Übergriffe zu verhindern. Ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei, die den Zug mit rund 600 Beamten begleitet hatte, bilanzierte, die Demonstration sei wie erwartet friedlich verlaufen.

Ausgelöste wurden die Proteste durch Karikaturen, die den islamischen Religionsstifter Mohammed unter anderem mit einer Bombe als Kopfbedeckung zeigten. Sie waren zuerst in einer dänischen Zeitung erschienen. Seit mehreren Tagen gibt es in islamischen Ländern gewaltsame Proteste gegen die Karikaturen. Dabei wurden mehrere Botschaften westlicher Länder attackiert und einige in Brand gesteckt.

Politiker aus Union und SPD forderten als Konsequenz aus dem Streit um die Karikaturen zügige Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union (EU) mit der Türkei. Ein Beitritt des Landes wäre der entscheidende Schlag gegen den drohenden Kampf der Kulturen, sagte der CDU-Außenpolitiker Volker Rühe der „Bild“-Zeitung. Allerdings ist Rühe mit dieser Meinung in der Union isoliert, denn die Parteispitze befürwortet eine privilegierte Partnerschaft der Türkei mit der EU. Wenn die Türkei eine klare Beitrittsperspektive habe, könne sie ihren Einfluß auf moderate Moslems geltend machen, erklärte Rühe. Der SPD-Politiker Johannes Kahrs sagte dem Blatt, ein EU-Beitritt der Türkei könnte auch die Integrationsbemühungen in Deutschland fördern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%