Motorradclub „Nachtwölfe“

Rocker besuchen KZ-Gedenkstätte Dachau

Provokation oder Gedenken? Sympathisanten des kremlnahen Motorradclubs „Nachtwölfe“ haben die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht. Enden soll „Siegestour“ der Rocker zum Jahrestag des Kriegsendes am Samstag in Berlin.
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Auf den Spuren der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg wollen die Mitglieder des Kreml-nahen Motorradclubs „Nachtwölfe“ von Moskau nach Berlin touren. Quelle: dpa
Gedenktour durch Europa

Auf den Spuren der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg wollen die Mitglieder des Kreml-nahen Motorradclubs „Nachtwölfe“ von Moskau nach Berlin touren.

(Foto: dpa)

Dachau/BerlinSympathisanten des kremlnahen russischen Rockerclubs „Nachtwölfe“ haben am Montag die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht. Vier Männer fuhren mit Motorrädern vor und schwenkten Fahnen in den russischen Nationalfarben weiß, blau und rot. Ein Priester der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche der Gedenkstätte sagte, die Christen hätten Kerzen angezündet und gebetet. Anschließend besichtigten die Männer das Krematorium des vor 70 Jahren von US-Truppen befreiten Konzentrationslagers und legten Blumen am Mahnmal nieder. Andernorts wurde Mitgliedern der Gruppe die Einreise nach Deutschland verwehrt

Die Bundesregierung steht der sogenannten „Siegestour“ des Motorradclubs zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Deutschland zwar skeptisch gegenüber, plant aber keine Maßnahmen dagegen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Grundsätzlich wird die Bundesregierung nicht verhindern, wenn Menschen 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs dieses Anlasses gedenken wollen.“

Das Auswärtige Amt bestätigte, dass drei führenden Mitgliedern der „Nachtwölfe“ aus Russland am Flughafen Berlin-Schönefeld die Einreise verweigert worden sei. Bei den am Sonntag nach Bayern eingereisten Bikern handelt es sich nach Angaben der Bundespolizei um Sympathisanten und Familienangehörige der „Nachtwölfe“, also nicht um Mitglieder. Alle zehn Personen hielten sich legal im Land auf, sagte ein Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Sie wurden an der Autobahn Salzburg-München (A8) und am Münchner Flughafen kontrolliert.

Polen verweigert den Nachtwölfen die Einreise
Nachtwölfe an der polnischen Grenze.
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Die polnischen Behörden haben den Teilnehmern der umstrittenen Motorradtour des russischen Rockerclubs „Nachtwölfe“ nach Berlin die Einreise nach Polen verweigert. An der weißrusssisch-polnischen Grenze im polnischen Terespol wurden die Rocker abgewiesen. Auch Berlin hatte den Wölfen bereits mit einem Einreiseverbot gedroht. Denn die deutsche Hauptstadt war das Ziel der umstrittenen Gruppe...

Hinter Gittern
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Die Gruppe habe nicht die formellen Kriterien zur Einreise erfüllt, meldete die polnische Agentur PAP. Zuvor seien die rund 20 Motorradfahrer von den polnischen Beamten am Grenzübergang Terespol stundenlang gefilzt worden, beklagte der Anführer des Trosses, Andrej Bobrowski.

Auf dem Weg nach Polen
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„Sie nehmen uns ganz schön in die Mangel, durchsuchen alle Sachen bis zu jedem T-Shirt, Schlüssel und Schraubendreher“, sagte er der Agentur Interfax. „Jeder von uns wird einzeln befragt.“ Zahlreiche polnische Motorradfahrer, die mit den „Nachtwölfen“ solidarisch sind, protestierten an der Grenze.

Nachtwölfe nicht erwünscht
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Hier hält ein polnischer Biker ein Schild mit der Aufschrift „Nachwölfe willkommen“ hoch. Das sahen die polnischen Behörden anders. Polen wie auch Deutschland hatten den „Nachtwölfen“ mit einem Einreiseverbot gedroht. Die Rocker waren dennoch am Wochenende zu einer „Siegestour“ in Richtung Berlin aufgebrochen, mit der sie an die Erfolge der Roten Armee im Kampf gegen Hitler-Deutschland erinnern wollen. Die polnische Regierung hatte die Tour als Provokation bezeichnet. Die Nachtwölfe gelten als Sympathisanten der prorussischen Separatisten in der Ostukraine.

Putin und die Biker
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Biker gelten als harte Kerle. Da machen die russischen Biker keine Ausnahme. Der Biker-Club „Die Nachtwölfe“ will auf einer Motorradtour von Moskau quer durch Ost- und Mitteleuropa bis nach Berlin den Weg der Sowjetarmee am Ende des Zweiten Weltkriegs nachfahren. „Ziel ist es, das Andenken an diejenigen zu ehren, die beim Kampf gegen den Faschismus gefallen sind“, sagte Organisator Andrej Bobrowski.

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Durch die Motorradtour, die am 25. April beginnen und am 9. Mai, dem in Russland begangenen Jahrestags des Kriegsendes, in der deutschen Hauptstadt enden soll, wollen die Biker demnach die „guten Beziehungen“ zwischen Russland und den durchquerten Ländern stärken. Besucht werden sollen dabei außer Deutschland noch Weißrussland, Polen, Tschechien, die Slowakei und Österreich.

Wladimir Putin und Nochniye Volki
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Die Nachtwölfe zeigen sich zwar regelmäßig an der Seite von Russlands Präsident Wladimir Putin, streiten aber jedes politische Engagement ab. „Wir sind keine Historiker, aber wir wollen die hunderttausenden von Zivilisten nicht in Vergessenheit geraten lassen, die im Krieg gestorben sind“, sagte Bobrowski. Er erwarte deshalb von allen, ihnen bei ihrer Aktion zu helfen, selbst von jenen, die diese nicht respektierten.

In Lübeck-Travemünde nahm die Bundespolizei einen „Nachtwolf“ in Gewahrsam. Der Mann sei am Sonntagabend mit einer Fähre aus Helsinki gekommen, sagte ein Sprecher. Die Überprüfung der Reiseunterlagen dauere an. Der Alleinreisende „Nachtwolf“ habe möglicherweise falsche Gründe für seine Visa-Erteilung angegeben. Die „Nachtwölfe“ selbst schreiben in ihrem Blog, dass der Mann ausgewiesen werden soll.

Das bayerische Innenministerium beobachtet die Gruppe während ihres Aufenthalts im Freistaat genau. „Sofern es zu strafbaren Handlungen kommen sollte, wird die bayerische Polizei konsequent einschreiten“, sagte ein Sprecher. „Das betrifft insbesondere extremistische Propaganda.“

Die Tour der kremlnahen Rocker war am 25. April in Moskau gestartet und soll an diesem Samstag (9. Mai) in Berlin enden. Russland begeht dann den Tag des Sieges über Hitlerdeutschland. Die „Nachtwölfe“, deren Präsident Alexander Saldostanow mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin befreundet ist, unterstützen Positionen prorussischer Kräfte in der Ukraine. Saldostanow wies Vorwürfe zurück, die Biker wollten mit ihrer „Siegestour“ provozieren. „Eine Provokation ist es, uns das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg zu verwehren“, sagte er.

  • dpa
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  • Diese Rocker haben, im Gegensatz zu Bankern, Politikern und Mainstreamjournalisten, wenigstens Charakter!

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