Motto von Moritz Hunzinger:
„Wem ich helfen kann, dem helf' ich“

Moritz Hunzinger hat ein Motto: „Wenn ich helfen kann, helf ich“. So sind viele Parteien und auch einzelne Politiker jahrelang in den Genuss von Gaben des Frankfurter PR- Beraters gekommen.

HB FRANKFURT. Dies hatte für einige unangenehme Folgen: Nicht nur Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und der Grünen- Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir mussten nach dem Bekanntwerden von Beziehungen mit oder Zahlungen von Hunzinger ihre Ämter aufgeben. Auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) trat im vergangenen Jahr wegen einer umstrittenen Spende Hunzingers zurück.

Ein Bericht der „Bild“-Zeitung, dass nach einem Auftritt von Außenminister Joschka Fischer (Grüne) bei Hunzinger 1998 genau 19 999 Mark in die Parteikasse geflossen seien sollen, hat neuen Wirbel ausgelöst. Fischer selber soll gebeten haben, nicht den runden Betrag von 20 000 Mark zu zahlen, sondern eine Mark weniger: „So ist mir das in Erinnerung“, sagte Hunzinger am Freitag. Ab 20 000 Mark hätte die Zahlung im Rechenschaftsbericht der Partei erscheinen müssen. Allerdings: Über den Vorgang hatte die Zeitschrift „Max“ bereits im Jahr 2002 berichtet.

Moritz Hunzinger hat sich 25 Jahre lang ein Netz von Beziehungen aufgebaut. Die waren das Kapital seiner Kommunikationsagentur. Rund 60 000 Namen von Wirtschaftsgrößen, Politikern quer durch die Parteien und ausländische Staatsleute sollen sich in der Kartei seiner Firma befunden haben.

Im April 2004 wurde Hunzinger von Aufsichtsratschef Bolko Hoffmann als Vorstandschef der Hunzinger Information gefeuert. Bis dahin fanden „mit hoher Platzierungskraft ... unter seiner Regie 1500 Pressekonferenzen, 500 Parlamentarische Abende und 150 Politische Salons“ statt, wie der Homepage des 46-Jährigen zu entnehmen ist. Und darüber will er erzählen: „Zu gegebener Zeit erscheint das Buch „Meine Foreign Affairs - 25 Jahre PR-Praxis“, das im wesentlichen fertiggestellt ist“, heißt es drohend im Internet.

Der beredte und wendige Hunzinger hat mit seinen Zahlungen Politiker in Verlegenheit gebracht, auch wenn die meist etwas dafür vorweisen konnten: So soll Scharping 1998 und 1999 angeblich als Voraushonorar für Memoiren und für drei Vorträge 80.000 und 60.000 Mark erhalten haben. Diskussionen, Vorträge, Empfänge: Dafür verpflichtete Hunzinger nicht nur bekannte Politikköpfe, dafür ließ er sich auch selbst verpflichten und wurde so zum bekanntesten PR-Mann Deutschlands.

Nach seinem Rauswurf scheint sein Terminkalender nicht mehr so prall gefüllt zu sein. „Ich quäl' mich nicht mehr“, sagt der Frankfurter dazu. Er mache nur noch, was ihn interessiere. „Ich bin nicht zur Beglückung der ganzen Menschheit da.“ So sind im Internet für die nächsten Monate dieses Jahres nur noch drei Termine vermerkt. Die Junge Union will er im Juni in Frankfurt mit Erkenntnissen über „Wahlkampfführung und Öffentlichkeitsarbeit“ beglücken. Und die Bäcker in der Einkaufsgenossenschaft BÄKO sollen im November endlich die Frage beantwortet bekommen: „Steigert PR die Wertschöpfung im Mittelstand?“ Wenn Hunzinger helfen kann, hilft er.

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