Motto "Wir gestalten Zukunft" soll Mut machen
SPD in Wahlkampf-Stimmung

Die verlorene Vertrauensabstimmung ist noch nicht verdaut, da weist die Parteispitze der SPD schon wieder nach vorn: Bundeskanzler Gerhard Schröder macht ebenso wie SPD-Chef Franz Müntefering in Parteiveranstaltungen den Genossen Mut zu "neuer Stärke".

HB HANNOVER. Als Gerhard Schröder die Bühne im Freizeitheim "Weiße Rose" betritt, empfängt ihn tosender Applaus. Nur wenige Stunden nach der verlorenen Vertrauensabstimmung im Bundestag ist der Kanzler am Freitagabend in seine Heimatstadt Hannover gekommen, um ein Zeichen des Aufbruchs zu setzen und die Basis auf den Wahlkampf einzuschwören. "Wir gestalten Zukunft", verheißen weiße Lettern auf einem tiefblauen Wahlplakat im Hintergrund.

Einen Tag später zieht es auch SPD-Chef Franz Müntefering nach Niedersachsen. Bei einer Wahlkreisversammlung in Nienburg legt er ein klares Bekenntnis zu einer neuerlichen Kandidatur des Regierungschefs ab. "Ich möchte, dass Schröder Kanzler bleibt", sagt Müntefering. Das sei auch in Partei und Fraktion unbestritten. "Zukunftsgerecht. Neue Stärke. SPD", verspricht das Plakat hinter ihm.

Am Freitag hatte der Bundestag zum dritten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik den Weg zu einer vorgezogenen Bundestagswahl geöffnet. Der Schlüssel zur Neuwahl im Herbst liegt jetzt bei Bundespräsident Horst Köhler. Zwar verheißen aktuelle Umfragen der Union und ihrer Kanzlerkandidatin Angela Merkel einen furiosen Sieg, doch Schröder und Müntefering geben sich kämpferisch: "Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Frühe Vögel holt die Katz'", versucht Schröder, die Basis auf den Wahlkampf einzustimmen. Auch Müntefering appelliert an seine rund 250 Zuhörer, sich von den Umfragewerten nicht beeindrucken zu lassen. "Wir gehen den Berg wieder rauf - mit Gerhard Schröder an der Spitze." Die Delegierten sind begeistert.

"Basis steht hinter Schröder"

Während Schröder in Hannover von seiner ablehnenden Haltung zum Irak-Krieg über Europa und die deutsch-französischen Beziehungen bis hin zu Oskar Lafontaine und dessen neuem Linksbündnis einen großen Bogen schlägt, widmet Müntefering den Großteil seiner gut einstündigen Rede dem neuen Wahlprogramm der SPD. Der Parteichef wirbt für Bürgerversicherung und Mindestlöhne, fordert eine bessere Familien- und Bildungspolitik, kündigt eine Sondersteuer für Spitzenverdiener an und spart auch nicht mit Kritik an einem "entfesselten" Kapitalismus. "Wirtschaft ist für den Menschen da und nicht umgekehrt", ruft Müntefering. Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hätten alle gesellschaftlichen Kräfte eine gemeinsame Verantwortung. Die Basis dankt mit Ovationen.

Bei aller Begeisterung aber sind unter den Delegierten in Nienburg und Hannover auch kritische Stimmen zu vernehmen. "Wie wollen wir es schaffen, unsere Glaubwürdigkeit zu verbessern", dämpft ein SPD - Mitglied in Nienburg die allgemeine Aufbruchstimmung. Auch der türkischstämmige Bezirksbürgermeister von Hannover-Nord, Alptekin Kirci, meint: "Wir haben den Menschen unsere Reformpolitik nicht richtig vermittelt und auch handwerkliche Fehler gemacht." Zu viele wichtige Entscheidungen habe Schröder "allein" und ohne die Zustimmung seiner Partei getroffen. Aber dennoch: "Schröder ist unser Kanzler", sagt Kirci. "Die Basis steht immer noch hinter ihm."

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