München
CSU begehrt gegen Stoiber auf

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ist von Benedikt XVI. zu einem privaten Treffen empfangen worden. Den päpstlichen Segen kann er gut gebrauchen. Denn in München haben führende CSU-Spitzenpolitiker damit begonnen, an Stoibers Stuhl zu sägen.

HB ROM. Nach seinem Rückzug ins heimatliche München wird auch die parteiinterne Kritik an Edmund Stoiber heftiger: CSU-Spitzenpolitiker ziehen nun sogar die Führungskompetenz des bayerischen Ministerpräsidenten in Zweifel. So forderte der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, der CSU-Politiker Wolfgang Zöller, eine baldige Aussprache. Er habe sich sehr über Stoibers Hin und Her geärgert. Auf die Frage, ob es in dieser Situation richtig sei, dass Stoiber nach Rom reist anstatt sein Vorgehen der Landesgruppe zu erläutern, sagte er: „Geistlicher Beistand hat noch nie jemandem geschadet.“

Der Chef der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber erklärte laut "Münchner Merkur" in einer Schaltkonferenz der CSU-Spitze, er wisse nicht, ob es klug von Stoiber gewesen sei, sich jetzt schon festzulegen. Stoiber sei schlecht beraten gewesen, sein Schicksal mit dem Münteferings zu verbinden. Huber war einer der beiden Kandidaten für die Nachfolge Stoibers im Münchner Regierungsamt. Auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein, der sich ebenfalls Hoffnungen auf Stoibers Nachfolge gemacht hatte, zeigte sich über Stoibers Entscheidung irritiert.

Ein Mitglied des CSU-Präsidiums warnte, Stoiber müsse sich auf ernsthafte Auseinandersetzungen in Bayern und in Berlin einstellen. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach ergänzte, mit seinem Rückzug auf den Ministerpräsidentenposten in Bayern erschwere Stoiber die Entscheidungsfindung in der angestrebten großen Koalition.

Für Sachsens Regierungschef Milbradt war der CSU-Chef in Berlin nur noch eine Belastung. In Zeiten, in denen das Gebot der Stunde die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sei, habe Stoiber alle mit Referatsaufteilungen und Kompetenzstreitigkeiten aufgehalten, um schließlich "April, April" zu rufen. "Das geht nicht", sagte der CDU-Mann. Nach Milbradts Überzeugung ist die Ausgangslage für die Union nach Franz Münteferings Rückzug von der SPD-Spitze jedoch besser als zuvor: "Der Sturz von Müntefering stellt die SPD vor die Notwendigkeit, in den Koalitionsverhandlungen noch mehr Kröten zu schlucken", sagte er.

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