Münchens Polizeisprecher nach Schießerei

Professionell, souverän, hellwach

Nach kaum einem Vierteljahr im Amt, muss Pressesprecher der Münchener Polizei, Marcus da Gloria Martins, den ersten Terroreinsatz bewältigen. Das gelingt ihm vorbildlich.
Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, im Einsatz. Quelle: dpa
Schießerei in München

Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, im Einsatz.

(Foto: dpa)

MünchenImmer wieder richten sich die Kameras auf Marcus da Gloria Martins. Souverän, sachlich und locker, ohne das geringste Zeichen von Anspannung steht er TV-Sendern und Radiostationen Rede und Antwort. Ermüdung? Nicht zu sehen. „Wichtig ist mir der Aspekt, dass man Ruhe bewahren sollte.“ Der Pressesprecher der Münchner Polizei gibt dabei selbst ein perfektes Vorbild.

„Mir bleibt ja nichts anderes übrig“, sagt er, räumt aber ein: Dieser Einsatz nach den tödlichen Schüssen am Freitagabend sei die absolute Ausnahme - im Leben eines Polizeibeamten, aber auch für die Stadt München.

Seit Oktober vergangenen Jahres ist der 43-Jährige im Amt. Er hat die Präsenz der Münchner Polizei auf Facebook und Twitter vorangebracht. Die Beamten punkten mit ihrer lockeren Art in den sozialen Medien.

Stadt im Ausnahmezustand
Nach Schießerei in München
1 von 6

München unter Schock: Neun Menschen werden am Olympia-Einkaufszentrum erschossen, 16 weitere verletzt. Am Freitagabend spricht die Polizei zunächst von einer Terrorlage. 2300 Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Busse und Bahnen stellen den Betrieb ein. München ist im Ausnahmezustand.

Schießerei in München
2 von 6

Über Stunden ist unklar: Wieviele Täter gibt es und wo sind sie? Die Entwarnung kommt in der Nacht: Die Polizei geht davon aus, dass der mutmaßliche Schütze, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, allein gehandelt hat. Er hat sich selbst getötet.

Schießerei in München
3 von 6

Am frühen Samstagmorgen tritt Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä vor die Presse. Die Ermittler sind überzeugt: Der 18-Jährige feuert die ersten Schüsse am frühen Abend in einem Schnellrestaurant ab, anschließend schiesst er an dem Einkaufszentrum aus seiner Pistole und ergreift die Flucht. Nach der Bluttat stellt ihn früh eine Zivilstreife, die auch auf ihn schießt. Unklar bleibt bislang, ob der 18-Jährige dabei auch getroffen wurde. Seine Leiche wird etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt in einer Nebenstraße gefunden. Dort wird auch eine Pistole sichergestellt.

Schießerei in München
4 von 6

Die Schießerei in München mit mindestens zehn Toten hat die Bundesregierung in den Krisenmodus versetzt. Das Bundessicherheitskabinett werde am Samstag in Berlin zusammenkommen, teilte Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Freitagabend mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde "fortlaufend" unterrichtet. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) mahnte zur Besonnenheit und warnte vor Spekulationen.

Schießerei in München
5 von 6

Von weiteren Tätern geht die Polizei inzwischen nicht mehr aus. Am Freitagabend wurde zeitweise nach drei möglichen Tätern mit Gewehren gefahndet. Weiter ungeklärt sind am Samstagmorgen die Hintergründe der Bluttat und das Motiv. War es ein Terrorakt oder ein Amoklauf? Polizeipräsident Andrä sagt: „Wir gehen momentan von einer Schießerei aus.“ Bis in die frühen Morgenstunden gibt es keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.

Schießerei in München
6 von 6

Nach den Schüssen am Olympiazentrum war in manchen Teilen der Stadt Panik ausgebrochen in Teilen der Stadt. Das Hauptaugenmerk habe nach den Schüssen vor allem darauf gelegen, die Sicherheit in München zu gewährleisten, sagt Andrä. Darum warnte die Polizei am Freitagabend vor einer „akuten Terrorlage“, die Landeshauptstadt rief den „Sonderfall“ wegen einer „Amoklage“ aus. Und: Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an.

Kaum ein Vierteljahr im Amt hatte da Gloria Martins den ersten Terroreinsatz zu bewältigen: An Silvester gab es einen Terroralarm am Münchner Hauptbahnhof. Binnen kürzester Zeit startete ein Großeinsatz - doch glücklicherweise ohne Anschlag.

Dieses Mal war es ernst. Auf dem Weg ins Büro nach den ersten Notrufen am Freitag habe er Menschen in der Fußgängerzone in Panik laufen sehen. „Da weiß man, was Angst mit Menschen macht“, sagte der 43-jährige Familienvater, der den schrecklichen Abend für seine Münchner Stadt mit Worten voller Hoffnung beschließt: „Wir haben das Problem gefunden“, sagte er in den frühen Morgenstunden vor Journalisten. „Und es ist tatsächlich so, dass wir wieder nach vorne gucken können und der morgige Tag beginnen kann.“

  • dpa
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%