Müntefering lehnt Ausbildungsabgabe ab
Streit zwischen Politik und Wirtschaft über Lehrstellen-Lücke

Angesichts der drohenden großen Lehrstellen-Lücke ist ein Streit zwischen Politik und Wirtschaft über die Verantwortung für die Ausbildungsmisere ausgebrochen.

HB BERLIN. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wies in der Zeitung „Bild am Sonntag“ den Vorwurf zurück, die Wirtschaft bilde zu wenig aus. „Von einem mangelnden Einsatz der Wirtschaft kann nicht die Rede sein“, sagte er laut Vorabbericht. Hingegen kritisierte Arbeitsminister Franz Müntefering erneut, dass zu wenige Unternehmen Lehrstellen anböten. „Über die Hälfte der Betriebe in Deutschland bildet nicht aus. Das finde ich unglaublich“, sagte der SPD-Politiker den „Nürnberger Nachrichten“. Die Unternehmen, die ausbildeten, müssten Druck auf die anderen machen, „die sich aus der Verantwortung stehlen“. Eine Ausbildungsplatzabgabe für Betriebe, die keine Lehrstellen anbieten, lehnte der Minister erneut ab.

Müntefering hatte in dieser Woche im Kabinett nach Angaben seines Sprechers die Zahl der fehlenden Ausbildungsplätze auf mehrere zehntausend beziffert. Sie liege deutlich über den 28.300 des Vorjahres. Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte sich auf dem Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes besorgt über die Lage geäußert. Das Thema will Müntefering am Sonntagabend in der Sitzung des Koalitionsausschusses zur Sprache bringen. Das Bundeskabinett wird in der kommenden Woche ebenfalls erneut über die Ausbildungslage beraten.

Hundt sagte, beim Abbau von rund einer Million Arbeitsplätze seien automatisch auch 60.000 Ausbildungsplätze mit verloren gegangen. Dennoch habe es die Wirtschaft geschafft, dass seit Abschluss des Ausbildungspakts die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge leicht angestiegen sei. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks kündigte an, sich bei ausländischen Unternehmern in Deutschland für mehr Lehrstellen einzusetzen. Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer sagte im Deutschlandfunk, es gebe eine ganze Reihe von Unternehmern mit Migrationshintergrund, die bisher nicht ausbildeten, aber dazu in der Lage wären. Auf diese wolle der Handwerksverband in besonderem Maße zugehen. Trotz der immer noch schwierigen Wirtschaftslage sei der Verband zuversichtlich, dass auch in diesem Jahr auf jeden zehnten Arbeitsplatz im Handwerk eine Lehrstelle kommen werde.

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