Müntefering-Rückzug
„Wir wollen Franz“

In der SPD herrschen "blanke Wut und pures Entsetzen". Nach dem überraschenden Rückzug von Franz Müntefering streiten die Sozialdemokraten über die Konsequenzen. Führende Parteipolitiker fordern den Rücktritt des gesamten Vorstands, um Müntefering doch noch zu halten.

HB BERLIN. Unter dem Motto „Wir wollen Franz“ haben SPD- Mitglieder am Dienstag im Internet eine Initiative gestartet, um SPD-Chef Franz Müntefering von einem endgültigen Rücktritt abzuhalten. „Die SPD braucht einen Vorsitzenden, hinter dem die ganze Partei steht“, heißt es in dem Aufruf, in dem zu Unterschriften für Münteferings Verbleib geworben wird. Die Partei brauche einen Vorsitzenden, der ehrlich und authentisch und mit klaren Worten sozialdemokratische Werte vertrete.

Zu den weit über 100 Erstunterzeichnern gehören neben einfachen SPD-Mitgliedern auch Vorstandsmitglieder sowie Vorsitzende von Orts- und Unterbezirken. Zahlreiche Unterzeichner melden sich mit scharfer Kritik an der „Egomanie“ des Vorstands bei der Brüskierung Münteferings zu Wort.

"Der Vorstand sollte kollektiv zurücktreten", sagte der SPD-Politiker Rolf Schwanitz. Nur so könne Müntefering entgegen seiner Ankündigung SPD-Chef bleiben. „Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Vorsitzenden und dem Parteivorstand wurde zerstört“ durch die Abstimmung über den neuen Generalsekretär, sagte der Kanzleramtsminister.

„Das Vertrauensverhältnis zwischen der Partei und Müntefering sei dagegen durch die Ereignisse nicht beeinträchtigt, so dass Müntefering Parteichef bleiben könne. „Ich halte auch nach den gestrigen Ereignissen Franz Müntefering als Parteivorsitzenden in den nächsten Jahren für nicht ersetzbar. Ich habe die dringende Bitte, dass er seinen Rückzug noch einmal überdenkt.“

Für eine völlige Neuaufstellung setzt sich auch der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß ein. Empört zeigte er sich über führende Parteifreunde, die nach Münteferings Bloßstellung durch die Nominierung der Parteilinken Andrea Nahles zur Generalsekretärin jetzt einfach zur Tagesordnung übergehen wollten. Unter Hinweis auf die stellvertretende SPD-Chefin Ute Vogt und den thüringischen SPD-Chef Christoph Matschie, die schon öffentlich über Nachfolger von Müntefering spekulierten, sagte Poß: „Solche Schönredner brauchen wir nicht.“ Der gesamte Vorgang müsse sorgfältig aufgearbeitet werden. Bei der SPD-Basis herrsche wegen des Umgangs mit Müntefering „blanke Wut und pures Entsetzen“.

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