Muhterem Aras Grüne Überfliegerin

Diese Frau macht den baden-württembergischen Konservativen schwer zu schaffen und hat eine große Zukunft vor sich: Muhterem Aras hat gute Chancen auf das erste Direktmandat für die Grünen im Stuttgarter Landtag.
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Die Stuttgarter Landtagskandidatin der Grünen, Muhterem Aras, mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer beim „Stresstest für Stuttgart 21“  im Theaterhaus. Quelle: Thomas Igler

Die Stuttgarter Landtagskandidatin der Grünen, Muhterem Aras, mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer beim „Stresstest für Stuttgart 21“ im Theaterhaus.

(Foto: Thomas Igler)

StuttgartMuhterem Aras legt eine politische Bilderbuchkarriere hin, bei der nicht abzusehen ist, wohin sie noch führen könnte. Die Stadträtin leitet seit vier Jahren im Stuttgarter Gemeinderat zusammen mit Werner Wölfle die Fraktion der Grünen - seit den Kommunalwahlen 2009 vor der CDU die stärkste Kraft des Gremiums. Die "Bild"-Zeitung fragt mit Anspielung auf ihre Herkunft bereits: "Wird sie der neue grüne Süperstar?"

Denn geboren wurde sie 1966 in einem winzigen anatolischen Dorf ohne Strom und fließendes Wasser. In Deutschland lebt sie seit 1978, als sie mit ihrer Familie nach Filderstadt bei Stuttgart kommt. Von der Hauptschule schafft es Muhterem Aras aufs Gymnasium und das, obwohl sie anfangs kein Wort Deutsch spricht. Noch vor dem Abitur heiratet sie einen türkischen Mann. Doch entgegen gängiger Klischees beschränkt sie sich nicht auf Haushalt und Erziehung, sondern studiert in Hohenheim Wirtschaftswissenschaften - zur gleichen Zeit wie der heutige CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus. Schon damals engagiert sich die "überzeugte Stuttgarterin" bei den Grünen.

Durch den erfolgreichen Studienabschluss gewinnt sie eine Wette mit ihrer Schwägerin um 1000 Mark. 1999 zieht sie zum ersten Mal in den Stuttgarter Gemeinderat ein. Heute spricht die 44-Jährige mit leicht schwäbischem Einschlag, hat zwei Kinder - und ihr eigenes Steuerberatungsbüro mit neun Mitarbeitern im Herzen der Stuttgarter Innenstadt. Sie arbeitet also in ihrem Wahlkreis und wohnt dort auch.

Wenn sie mit viel Detailkenntnis über den Haushalt der Stadt Stuttgart spricht, ist ihr anzumerken, dass sie sich auf diesem Feld zu Hause fühlt. In der Finanzpolitik möchte sie sich auch im Landtag engagieren. Außerdem kämpft sie für eine "gerechtere Bildungspolitik für alle - unabhängig vom Geldbeutel der Eltern". Auf ihren Sitz im Gemeinderat will sie beim Einzug in den Landtag verzichten, in ihrer Kanzlei aber weiterhin aktiv sein.

Muhterem Aras selbst hält ein Direktmandat für realistisch. Wahrscheinlich ist sie die Grüne mit den besten Chancen. Sie will "der CDU zeigen, dass die Stadt nicht ihr Wohnzimmer ist". Gleichzeitig wäre sie die erste Muslima im baden-württembergischen Parlament.

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7 Kommentare zu "Muhterem Aras: Grüne Überfliegerin"

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  • Viel erfolg am sonntag frau aras!

    Eine angehende landesparlamentarierin, die nicht nur von ökologie was versteht sondern genauso von wirtschaft und bildung. Wir haben viel zu wenig frauen von diesem format in deutschen parlamenten oder regierungen.

    Zum kommentar von Island:
    Wie kann es angehen, dass die handelsblattredaktion den kommentar von Island nicht löscht. Deckt die meinungsfeiheit im hb solch grobe diffamierungen?

  • Man könnte es auch Einmischung in Innere Angelegenheiten unseres Staates interpretieren!

  • Es verwundert mich das „Aras“ und ihre Eltern 1979 in unser Land einreisen dürften. Wir haben seit 1973 ein „Anwerbestopp“ für Gastarbeiter!

    Warum wird sie bist zum heutigen Tage bei uns geduldet?

    Wer ist dafür verantwortlich daß sie die „Deutsche Staatsbürgerschaft“ verliehen bekam?

    Es ist zwar schön daß sie eine Fremdsprache gelernt hat (Deutsch) aber wir haben keinen Bedarf an Gastarbeitern!

    Darum ist sie besser in ihrer Heimat aufgehoben!


  • Es ist schon sehr bedauerlich, dass offensichtlich noch immer eine Vielzahl in Schubladendenken verfällt. Das ist ja auch so einfach, einfach in eine Schublade packen und nicht meher darüber nachdenken müssen. Bloß nicht differenzieren, dann müsste man ja den einzelnen Menschen wahrnehmen. Obwohl genau dies doch eigentlich jeder von uns von seinem Gegenüber erwartet.

    Diese Art von Kleingeistigkeit wie sie hier zu lesen ist empfinde ich als jämmerlich und es zeugt von mangelnder Bereitschaft sich mit andern wirklich auseinander zu setzen. Wozu dann überhaupt kommentieren, offensichtlich sind andere Mitmenschen, wenn sie nicht deutscher Herkunft sind gar nicht integrierbar, wenn man die Kommentare liest. Wenn ich genauer darüber nachdenke ist das sogar mehr als jämmerlich, es ist schlicht Dummheit aber leider eine sehr gefährliche Dummheit. Wir sollten doch zumindest etwas aus der Vergangenheit gelernt haben, die inder deutschen Geschichte zu unverzeihbarem Leid geführt hat und nur deshalb, weil ein ganzes Volk, nämlich wir sogenannten Deutschen, es sich in selbstgerechter Ignoranz viel zu einfach gemacht hat.

    Wenn sie also nicht etwas beizutragen haben, das unsere Gesellschaft nach vorne bringt, sollten sie vielleicht besser einfach den Mund halten.

  • @FrankD. ........ hören Sie mir bloß mit den Schlossparkbesetzern auf ....... mir ist ohnehin unerklärlich wie manche Menschen tagtäglich vor dem Hauptbahnhof herumlungern können ....... Berufsdemonstranten? ...... haben die nicht's zu schaffen?

  • Kann Sie wirklich loyal sein?
    Bei z.B Herrn Rösler habe ich nicht die geringsten Zweifel.
    Aber in der türkischen Brust schlagen selbst nach drei Generationen immer noch zwei Herzen. Und genauso wie Herr Özdemir, so befürchte ich auch bei Frau Aras, dass sie auf allen Ebenen türkische Interessenpolitik betreiben wird.

  • @prinzeugen
    was ist das den für eine Formulierung "ihresgleichen". Wenn Sie die Heirat mit einem türkischen Mann (wenn das vor dem Abi war, dürfte Sie da erst einige Jahre in Deutschland gewesen sein) stört, ist das eben ihre Meinung. Überdenken Sie aber mal ihre primitive Wortwahl. Eine kurze Anekdote zu Frau Arras: Am 30.09.2010 - dem sogenannten "schwarzen Donnerstag" im Stuttgarter Schlossgarten (im Zuge der Gegen-S21-Demonstration), habe ich Sie gesehen, wie Sie abends alleine selbstgebackene Kleinigkeiten zum Essen an die Personen im Schlosspark verteilt hat. Keine Entourage, keine Fotografen - aus meiner Sicht lediglich eine ernsthafte Geste der Verbundenheit und des Anstands. Der bürgerliche Feigling Mappus, der den brutalen Einsatz mitinitiert hat, stiehlt sich gleichzeitig aus der Verantwortung indem er auf dem Volksfest mit seinen Kumpanen Bier säuft. Meine Stimme hat Frau Arras.

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