„Multi-Kulti-Traum“: Sarrazin zwingt Merkel Integrationsdebatte auf

„Multi-Kulti-Traum“
Sarrazin zwingt Merkel Integrationsdebatte auf

Mit seinen umstrittenen Äußerungen zur Integration von Ausländern hat Thilo Sarrazin eine Debatte angestoßen, der sich auch die Bundeskanzlerin nicht entziehen kann. Umfragen offenbaren eine tiefe Kluft zwischen vielen Bürgern und der Politik in der Ausländerfrage.
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HB BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für eine ungeschminkte Debatte über Integrationsprobleme von Ausländern ausgesprochen. Viele hätten einen „Multi-Kulti-Traum“ geträumt und Zuwanderer zu wenig in die Pflicht genommen, sagte die CDU-Vorsitzende am Wochenende.

Merkel bemühte sich in der „Bild am Sonntag“, den Unmut vieler Bürger aufzugreifen, der in den vergangenen Tagen an der Zustimmung zu Sarrazins Thesen erkennbar geworden war. So stimmten einer Forsa-Umfrage zufolge 46 Prozent der Deutschen Sarrazins These von einer Überfremdung Deutschlands zu. Bei SPD und Union gingen nach Hunderte von E-Mails ein, in denen Bürger gegen Sarrazins Rauswurf aus der SPD und der Bundesbank protestierten. Laut einer Erhebung vom Wochenende würde fast jeder fünfte Deutsche eine „Sarrazin-Partei“ wählen.

Die Kanzlerin setzte sich klar von Sarrazin ab, der Ausländer verächtlich mache. „Zur Lösung des Problems trägt er gar nichts bei“, sagte sie. Jedes Kind - ob deutsch oder türkisch - habe seine Chance verdient.

Zugleich mahnte sie aber, Probleme bei Namen zu nennen. So sei die Gewaltbereitschaft sehr religiöser muslimischer Jugendlicher ein großes Problem: „Und wir können offen darüber sprechen, ohne dass der Verdacht der Fremdenfeindlichkeit aufkommt“. Sie warne aber davor, Gewalt mit einer bestimmten Religion zu verbinden: „Das führt in die Irre.“

Die Behörden müssten Verpflichtungen, die Zuwanderer hätten, noch stärker überprüfen, forderte Merkel. Auch dürfe es keine Viertel geben, in denen die Polizei das Recht nicht durchsetzen könne. Gewalt an den Schulen und andere Missstände müssten offen diskutiert werden: „Verschweigen verstärkt nur Vorurteile.“

Auch Spitzenpolitiker anderer Parteien sprachen sich für die offene Auseinandersetzung mit Problemen im Zusammenleben mit Migranten aus. SPD-Chef Sigmar Gabriel rief seine Partei dazu auf, sich „intensiver und offensiver“ der Integration zu widmen. Der Ärger der Menschen dürfe nicht verschwiegen oder nur in den Kneipen besprochen werden. „Es gibt die Hassprediger, die Sarrazin beschreibt“, sagte er der „Neuen Ruhr Zeitung“.

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  • infos über Sarrazin

    http://thilo-sarrazin-inspiration.blogspot.com/

  • Das "Zwingen" in diesem Zusammenhang hat eine gewichtige bedeutung. Denn nicht Herr Sarrazin versetzt die bundeskanzlerin in überhauptirgendeine Zwangslage, sondern ein Teil der Gesellschaft, der sich nicht integrieren lassen will, weil er integration mit Unterwerfung verwechselt. Herr Sarrazin bringt bar zum Ausdruck, was unlängst hätte ausgesprochen werden müssen.

    Die von Herrn Sarrazin abgefasste Schrift stellt einen mittelbaren bezug einerseits zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von integration und andererseits zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von identität her. Mit der integration kann sich verhältnismäßig schnell befasst werden. Deutschland lebt weitesgehend im Wohlstand, die Welt weiß davon. Wir erzeugen diesen Wohlstand, mit der Form der Gestaltung unseres Alltags. Wer hier leben will, hat sich dieser Form anzuschließen. Wer sich dieser Form nicht anschließen kann oder will, der behindert die Wahrung dieses Wohlstandes zwangsläufig. Den Staatsbürgern ist dieser Wohlstand genehm, so dass sie sich für diesen Wohlstand einsetzen und immer eingesetzt haben. Wer hier leben will, der hat sich in diese Form einzupassen, denn wir wollen unseren Wohlstand behalten. Damit ist eindeutig, dass dieser Wohlstand gewahrt bleibt, wenn jeder Staatsbürger zum Wohlstand beiträgt. Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen und dauerhaft hier leben wollen, haben von vorn herein in der Absicht zu stehen, zum bestehenden Wohlstand beizutragen. Denn der Wohlstand ist das tragende Element der Staatskultur der Deutschen. Wenn wir erst darum bitten müssen, dass Fremde sich hier an der Herbeiführung von Wohlstand zu beteiligen haben, dann müssen wir in der geteilten Arbeitswelt zusätzlich Menschen dafür bezahlen, dass sie Fremde zunächst dazu bewegen, sich überhaupt integrieren lassen zu wollen. Dieser Vorgang steht aber der Tatsache entgegen, dass Fremde Teil der Gesellschaft werden, wenn sie den Antrag stellen, hier leben zu wollen. integration findet also vorwiegend durch die Fremden statt. So muss ein Deutscher Arbeiter seinen Arbeitswillen in der Tat nachweisen. Er wird nicht darum gebeten, er bekommt den Vertrag nicht, der zum Einkommen führt. Ein Vertrag von Staats wegen, der besagt, dass Fremde zunächst erst befähigt werden müssen, sich an der Herbeiführung des Wohlstandes zu beteiligen, ist unverhältnismäßig gegenüber einer arbeitenden bevölkerung, die erst gar kein Geld bekommt, wenn sie den Wohlstand nicht herbei führen will.
    Da die Menschen mit Migrationshintergrund ganz offensichtlich sehr viel Zeit hatten, sich mit der Deutschen Wohlstandskultur zu befassen, müssten entsprechende bezeugungen ersichtlich sein, die besagen, dass Menschen mit Migrationshintergrund willentlich sind, sich an der Wahrung der Deutschen Wohlstandskultur zu beteiligen. Sollten in diesem Zusammenhang Ausnahmen erscheinen, die sich bislang nicht an der Wahrung der Wohlstandskultur beteiligen wollten, so sollten sie aus Gründen der Gerechtigkeit gegenüber der heimischen bevölkerung nicht länger einen Aufenthalt in Deutschland genießen dürfen. Herr Sarrazin hatte diesbezüglich keine Stellung bezogen, aber das Problem benannt.
    Konstatiert werden könnte, dass Herr Sarrazin zunächst eine beitrag geleistet hat, der nicht hinweg zu denken ist, ohne dass die Debatte über die integration angestoßen worden wäre. Denn erst mit dem Erscheinen des buches (DSSA) ist überhaupt zur Sprache gebracht worden, was als gesellschaftliches bild bereits vorgezeichnet war. Damit entfällt auch der Vorwurf der Verhetzung, denn in dem Zeitraum vor Erscheinungsdatum des buches (DSSA) konnte die Gesellschaft nicht über den inhalt des buches verfügen. Nichtsdestotrotz gab die Reaktion der Gesellschaft offenkundig zu verstehen, dass es bezüglich der Migration unbearbeitete Probleme gibt. Herr Sarrazin kann also dem bild der Öffentlichkeit zur Folge nicht an dem bild der Öffentlichkeit schuldig sein, weil das bild der Öffentlichkeit bestand ehedem die Schrift von Herrn Sarrazin gekauft werden konnte, also der Öffentlichkeit zugänglich gemacht war. Und wenn die Statistik noch so verquer ist, sie wird die indentität der Frage nachdem was Deutsch ist, nicht ersetzen können.
    in diesem Kontext hat Herr Sarrazin etwas zum Vorschein gebracht, das seit 1949 oder seit 1989 unbeantwortet geblieben ist. Wir haben das Credo der Rechtstaatlichkeit, des Sozialstaatsprinzips und der Vertragsfreiheit. Aber wie sehen die Menschen aus, auf die sich diese begriffe beziehen. Wir sagen, das wir eine bestimmte Haarfarbe haben, weil wir es können, wir können sagen, was Farben sind. So in der Art setzen wir fort und stellen fest, das dies dann wohl unser Aussehen ist. Mit der Sprache verhält es sich ähnlich, nur dass wir weit gehen müssen, wenn wir herausfinden wollen, das anderswo anders gesprochen wird, wie hier. Das ist übrigens auch Deutsch. insofern müssen wir doch feststellen, dass hier wie dort unterschiede vorherrschen, die bezeichnend sind für das Erscheinen einer Kultur als Ganzes. Herr Sarrazin hat hier einen Zusammenhang hergestellt, der richtig ist: in der Genetik gehen Erscheinen und Verhalten zusammen. insofern ist es doch fragwürdig geworden, warum Juden und Moslems untereinander Streitigkeiten aufrecht erhalten, die sie sich bei uns nicht erlauben würden. Herr Sarrazin stellt aber fest, dass mit uns ein Streit begründet wurde, und legt dieses Problem offen dar. Nun hat die Deutsche Öffentlichkeit geantwortet und das weitesgehend einhellig. Die identitätsfrage hat sich von allein gelöst, ohne das irgend jemand etwas gesagt hat.

    Herr Sarrazin hat anscheinend mit seiner Schrift etwas erreicht, dass von den Deutschen gewollt worden ist, mit Ausnahmen der weinigen, die sich ihm in den vergangenen Wochen entgegengestellt haben: CDU, FDP, SPD, Renate Künast, Claudia Roth, Cem Özdemir. Offengestanden, sie haben hier sowas von gepennt- zum Glück !!!

    Herr Sarrazin kann also nur richtig gehandelt haben, wenn er zur Sprache bringt, was allseits gefordert worden war.

  • De Demokratie war und ist immer noch ein Geschenk,das ist wahr,
    doch leider gehen die Menschen mit Geschenken nicht immer pfleglich um.Sie achten besser auf die Dinge, die sie sich hart erkämft und erarbeitet haben immer mit dem bewußtsein sie auch wieder verlieren zu können.insofern ist die geschenkte Demokratie nach dem 2Weltkrieg eine etwas problematische Form
    der Demokratie,weniger was ihre institutionen angeht,aber es fehlt ihr ein Gründungsmythos wie sie die Franzosen etwa haben mit der fanzösischen Revolution.Da kommt zum Verstand auch noch das Gefühl.Wir hätten vor 20Jahre die Möglichkeit gehabt
    auch einen Mythos zu schaffen etwa mit der Einberufung einer deutschen Nationalversammlung,die eine neue gesammtdeutsche Verfassung hätte erarbeiten können,wie es ja eigendlich auch im Grundgesetz vorgesehen war.So gab es nur einen beiritt,wer tritt aber gerne nur bei ohne auch gestalten zu können.Leider ist es anders gekommen aus welchen Gründen immer auch.ich habe nie eine rechte Antwort gefunden auf diese Frage und es wurde ja auch nie darüber diskutiert. Eine geschenkte Demokratie-schön und gut,eine selbsterarbeitete wäre besser gewesen!

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