„Multikulti ist gescheitert“
Integrationsdebatte wird schärfer, Merkel mischt mit

Die Integrationsdebatte droht endgültig zu entgleisen: CSU-Chef Horst Seehofer, der bereits am Freitag „Multikulti“ für gescheitert erklärt hatte, untermauert seine Position nun mit einem Sieben-Punkte-Plan. Unterstützt wird er von Kanzlerin Merkel – zumindest in Teilen. Und aus der Türkei schaltet sich Präsident Gül ein.
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HB BERLIN/POTSDAM. Die Bemühungen um den Aufbau einer Multikulti-Gesellschaft in Deutschland sind nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel fehlgeschlagen. „Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert“, sagte Merkel am Samstag bei einem Kongress der Jungen Union in Potsdam. In der Vergangenheit sei zu wenig verlangt worden. Es sei aber eine berechtigte Forderung, dass Zuwanderer die deutsche Sprache lernten, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

Zwangsehen seien nicht akzeptabel, und natürlich müssten auch Mädchen aus Migrantenfamilien auf Schulausflüge mitgehen dürfen. Zugleich müsse dafür gesorgt werden, dass Straftaten rasch abgeurteilt würden und es keine Stadtteile gebe, in die sich die Polizei nicht hineintraue.

Zugleich stellte sich Merkel hinter die in Teilen der Union umstrittene Aussage von Bundespräsident Christian Wulff, wonach der Islam ein Teil Deutschlands ist. „Er ist ein Teil Deutschlands - das sieht man nicht nur am Fußballspieler (Mesut) Özil“, betonte Merkel mit Verweis auf den türkischstämmigen Torschützen der deutschen National-Elf.

CSU-Chef Horst Seehofer erntet wegen seiner Äußerungen zur Integration von Ausländern derweil heftige Kritik. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sagte der „Rheinpfalz am Sonntag“, offenbar sei die Hemmschwelle, mit fremdenfeindlichen und den sozialen Frieden gefährdenden Aussagen und zudem mit sachlich falschen Behauptungen auf Stimmenfang zu gehen, selbst unter Politikern demokratischer Parteien deutlich gesunken. „Das ist nicht nur schäbig, sondern geradezu verantwortungslos.“

Seehofer hatte in einem Interview gesagt, Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern täten sich schwerer bei der Integration. Daraus ziehe er den Schluss, „dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen“.

Kramer kritisierte auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die in der „Deutschfeindlichkeit“ auch Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus entdeckt haben wolle. Sie zitiere Stammtischparolen, statt sich des Problems anzunehmen, sagte Kramer. Die Debatte sei „unverhältnismäßig, scheinheilig und hysterisch“.

Seehofer forderte am Freitagabend beim Deutschlandtag der Jungen Union in Potsdam die in Deutschland lebenden Ausländer zur Integration auf. Die hier lebenden Menschen müssten sich zur deutschen Leitkultur bekennen. Dies bedeute christliche Werte zu achten. Dabei sei es die wichtigste Aufgabe sich zu qualifizieren und zu integrieren. „Wir wollen nicht zum Sozialamt für die ganze Welt werden“, sagte Seehofer und erinnerte an den Zustrom von Asylbewerbern Ende der 80er Jahre. Ohne Beherrschung der deutschen Sprache sei Integration kaum möglich.

Seehofer hat seine Positionen in der Zuwanderungs-Diskussion in einem Sieben-Punkte-Plan zur Integration bekräftigt. In dem Papier, das das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Samstag veröffentlichte, beharrte der bayerische Ministerpräsident darauf, dass Deutschland kein Zuwanderungsland sei. Auch könne ein prognostizierter Fachkräftemangel „kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung sein“, schrieb Seehofer.

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  • ihre Reaktionen schockieren mich. ich bin kein Gutmensch und auch kein Kuschelpädagoge aber ich habe einige türkische Arbeitskollegen, Freunde und Kunden. Wetten...sie alle nicht? Sonst würden hier nicht so eine gequirlte Sch**** geschrieben.
    Und dann noch nicht mal mit seinem realen Namen unterschreiben.

  • Hallo "Wahrheit", stimme ihren Kommentaren zu 99 % zu. Faktisch befinden wir uns schon seit geraumer Zeit in einem grundlegenden Kulturkampf. Leider haben Multi-Kulti-illusionisten, linke und linksliberale ideologen und naive Gutmenschen die hieraus erwachsenden bedrohungen immer noch nicht erkannt. Herrn Sarrazin gebührt der Verdienst, eine längst überfällige Diskussion angestoßen zu haben.

  • ich hab den Artikel noch nicht zuende gelesen aber egal wo ich irgendwelche politischen Texte lese/höre/sehe kommt mir der Zentralrat der Juden unter...

    ich muss sagen der Zentralrat der Juden hier in Deutschland geht mir ganz mächtig gegen den Strich! Die haben hier einfach mal rein gar nichts zu melden!! Denen ihre Rolle wird mir persönlich, in der Gesellschaft viel zu hoch gehalten!

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