Muslime bei der Bundeswehr
Soldatin verletzt durch Islamismusverdacht

Schätzungen zufolge gehören der Bundeswehr bis zu 1.600 Soldaten islamischen Glaubens an. Eine von ihnen ist Nariman Reinke, Hauptfeldwebel mit Eltern aus Marokko. Sie meint, die Bundeswehr müsse mehr für Muslime tun.

BerlinNariman Reinke ist bei der Bundeswehr für elektronische Aufklärung zuständig und praktizierende Muslimin. Offenen Rassismus hat sie in ihren elf Jahren bei der Truppe noch nicht erlebt. Unangenehme Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Religion machte sie trotzdem – mit dem Militärischen Abschirmdienst (MAD), wie sie der dpa erzählt. Schätzungen zufolge gehören der Bundeswehr zwischen 1200 und 1600 Soldaten islamischen Glaubens an.

Die Bedrohung durch islamistischen Terror ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Treten die Kameraden Ihnen nun mit mehr Skepsis gegenüber, weil Sie Muslimin sind?
Nein, so habe ich das nicht erfahren. Ich komme aber auch aus einer Truppengattung, die vom Personal her ziemlich vielfältig aufgestellt ist. Meine Sicherheitsüberprüfung hat allerdings drei Jahre gedauert. Bei anderen, nicht-muslimischen Kameraden waren es nur neun Monate. Das hat mich richtig genervt, dass das so lange gedauert hat. Ich bin auch erst später Feldwebel geworden.

Als Feldwebel für elektronische Aufklärung sind Sie in einem sogenannten sicherheitsempfindlichen Bereich tätig. Deswegen ist auch die Sicherheitsüberprüfung notwendig. Sie sind drei Mal vom Militärischen Abschirmdienst intensiv befragt worden. Inwieweit hat dabei eine Rolle gespielt, dass Sie Muslimin sind?
Bei der ersten Befragung hat das keine Rolle gespielt. Später dann schon. Man war auf der Suche nach radikalen Moslems. Da hätte man sich bei mir die Arbeit ersparen können, wenn man vorher ein bisschen sorgfältiger recherchiert hätte. Das war schon unangenehm.

Haben Sie sich unfair behandelt oder sogar diskriminiert gefühlt?
Das war für mich ein Vertrauensbruch. Man gibt ja viel auf in diesem Beruf, das ist ja nicht so ein 08/15-Arbeitsplatz, wo man abends nach Hause kommt und dann seine Freunde treffen kann. Man investiert viel Zeit, muss flexibel und abrufbereit sein, gibt viele soziale Kontakte auf und kann ständig in den Auslandseinsatz befohlen werden. Deswegen war das schlimm für mich, dass man mich und meine Motive derart hinterfragt hat – trotz all der Opfer, die ich bereits gebracht hatte. Dabei war vor allem die Art und Weise äußerst unpassend. Das war unnötig und persönlich verletzend. Ich war danach ziemlich durch den Wind.

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