Muslime in Deutschland
Die üblichen Verdächtigen

Der IS-Terrorismus stellt den Islam unter Generalverdacht. Dagegen wehrt sich der Muslim Daniel Abdin. Für ihn hat Radikalisierung einiger Muslime viele Gründe, nur keine theologischen. Rechtspopulisten sehen das anders.
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HamburgEigentlich ist Daniel Abdin ein umgänglicher Mensch, freundlich, gewinnend und charmant. Als der Vorsitzende des Rats der islamischen Gemeinden in Hamburg – Schura – sich aber schon wieder zu den jüngsten Anschlägen äußern soll, platzt ihm der Kragen. „Ich bin es leid, mich immer rechtfertigen zu müssen, wenn irgendein Idiot auf der Welt bestialisch Menschen ermordet.“ Das seien Kriminelle, mehr nicht. Natürlich seien die Taten von München, Würzburg und Ansbach eine Katastrophe. Aber dennoch, sagt Abdin in einem Tonfall, als hätte er diesen Satz schon mindestens hundert Mal von sich gegeben: „Die haben mit dem Islam nichts zu tun.“

Rechtspopulisten bezweifeln das schon lange. Aber auch bei anderen wächst die Verunsicherung, zumal sowohl der Attentäter von Ansbach als auch jener von Würzburg Muslime waren – und obendrein noch Flüchtlinge. Da kann Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch so oft darauf hinweisen, dass Deutschland im Krieg gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS), keinesfalls jedoch im Kampf gegen den Islam sei. Die Feindlichkeit gegenüber Muslimen und vor allem Asylbewerbern steigt, wie eine Studie der Universität Bielefeldt zeigt – und zwar unabhängig von den jüngsten Anschlägen, da die Daten für die Untersuchung davor erhoben wurden.

Abdin steht bei seinem Ausbruch in einer heruntergekommenen Tiefgarage unweit des Hauptbahnhofs im Hamburger Stadtteil Sankt Georg. Netze und Drähte versuchen oberhalb der Rampe zu den Parkdecks Tauben den Aufenthalt zu vergällen – vergeblich wie der Dreck zeigt. Und dennoch zieht der unwirtliche Ort, der den ADAC bei seinen Tiefgaragentests mit Sicherheit empört aufschreien ließe, seit mehr als 20 Jahren jeden Tag viele Gläubige an. Schließlich ist eines der beiden Parkdecks Gebetsraum der sunnitisch arabischen Al-Nour Moschee, die der gebürtige Jordanier Abdin ebenfalls leitet.

Aus fast aller Herren Länder stammen sie, die dort beten, Imam Samir El-Rajab zuhören oder schlicht Gleichgesinnte auf ein Gespräch treffen. In mühevoller Kleinarbeit haben Ehrenamtliche über die Jahre versucht, dem Raum Würde abzutrotzen, haben den Betonboden mit Teppichen ausgelegt, die Wände gestrichen, teils holzvertäfelt und Vorhänge aufgehängt – was aber trotz der Mühen nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der Gebetsraum der auf arabisch „das Licht“ heißenden Moschee ursprünglich für das Abstellen von Autos gedacht war. „Im Sommer ist es wirklich stickig. Trotz der vielen Ventilatoren bekommt man kaum Luft. Und im Winter ist es sehr kalt“, sagt Abdin.

Hunderten Flüchtlingen war das im vergangenen Jahr egal. Sie waren froh, ein Dach über dem Kopf zu haben und etwas zu Essen zu bekommen. Bis zu 400 von der Flucht erschöpfte Frauen, Männer und Kinder nahm die islamische Gemeinde zu Hochzeiten der Flüchtlingsbewegung täglich auf. Die meisten waren nur auf der Durchreise, blieben nur eine Nacht. Sie wollten rasch weiter nach Skandinavien. Allein sie zu betreuen, brachte die Gemeinde finanziell und auch personell an den Rand des Ruins, wie Abdin sagt.

Doch damit nicht genug: Seit in Hamburg tausende Flüchtlinge – bis zu 80 Prozent Muslime – teils dauerhaft leben, sei die Zahl der zum Freitagsgebet kommenden Gläubigen von 600 auf 2.500 gestiegen, was nur noch durch „Beten im Schichtdienst“ bewältigt werden könne. Gedankt wird die Flüchtlingsbetreuung dennoch kaum. Natürlich zollen Kirchen, Behörden und Institutionen, die sich mit Flüchtlingen beschäftigen, Respekt für das Engagement und helfen auch mal mit Zuschüssen, sagt Abdin. Doch abseits davon erinnern sich im Zusammenhang mit der Al-Nour Moschee etliche eher an den 8. Oktober 2014, als Kurden und mutmaßliche Salafisten unweit der Tiefgarage mit Steinen, Flaschen und sogar Macheten aufeinander losgingen und etwa 30 teils bewaffnete Salafisten in den Gebetsraum eindrangen.

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  • @Sabrina Dresdnerin

    In der Printausgabe des HB habe ich im Juli einen Artikel von Prof. Raffelhüschen gelesen, dass die sog. Nachhaltigkeitslücke von vor Massenmigration 212% bereits auf aktuell 228% gestiegen ist, Der Grund dafür ist, dass -bei positivem Szenario!- die heute hier Ankommenden, meist relativ Ungebildeten erst einmal angelernt werden müssen, bevor sie sich dann auf den Arbeitsmarkt begeben können und danach in aller Regel nicht die 45 Beitragsjahrte Beiträge zahlen werden, die man den deutschen Areitnehmern abverlangt. Dass heisst auf Deutsch, dass die spätere Rente dieser Leute -selbst wenn sie sich nach der Ausbildungseit in den Arbeitsmarkt positiv integrieren- jedenfalls aus Steuermitteln auf das Grundsicherungsniveau aufgestockt werden muss, also auch dann dem Staat einen negativen Beitrag bei der Nachhaltgkeitslücke bescheren. Oder einfach ausgedrückt: diese leute werden dem deutschen Staat lebsnlang auf der Tasche liegen. Und Raffelhüschen ging nur von der in 2015 angekommnen Anzahl von Flüchtlingen aus.
    Wie man aber in Internet-Foren liest, geht die Massenmigration ja mittlerweile per Flugzeug weiter, nächstens, vor allem wohl Köln-Bonn. Und der Flüchtlingsdeal mit der Türkei dürfte demnächst obsolet sein. Dann gute Nacht, dann kommt der nächste Ansturm. Mit entsprechenden Au
    Und was tut diue EU zum Grenzschutz? Null. Und was tut Deutschland? Briucht weiterhin das Grundgesetz,. Dauerhaft und nachhaltig.


    Was wir hier sehen ist keine vordergründig humanitäre Hilfeleisetung. Wir werden Zeuge einer historischen Transformation, bei der es den Verantwortlichen wohl in erster Linie um die Beseitigung der derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse, der Abschaffung des Besitzbürgertums und der Nationalstaaten und die Einführung eines sozialistischen Systems geht, nicht aber um die Einmhaltung von Verträgen oder den Schutz von Bürgerrechten.

    Wachen Sie auf und machen Sie sich nicht zum Handlanger des Regimes, das hier das IV. Reich errichten will.

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