Mutmaßliche Terroristen
Sauerland-Gruppe distanziert sich von Plänen

Im Prozess gegen die Terror-Verdächtigen der sogenannten Sauerland-Gruppe haben sich zwei der vier Angeklagten deutlich von ihren ehemaligen Anschlagsplänen distanziert. Sowohl Daniel Schneider als auch Atilla Selek räumten am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf ein, dass die Gruppe verheerende Attentate geplant habe. Zugleich rückten sie aber von den Plänen ab.

HB DÜSSELDORF. "Aus heutiger Sicht möchte ich mit solchen Anschlägen nichts mehr zu tun haben", betonte Selek nun. "Was ich konkret als falsch ansehe (..) ist das, was mit den Anschlagsvorbereitungen in Deutschland zu tun hat", sagte Schneider. In den Aussagen wurde deutlich, dass die vier Angeklagten nun unterschiedliche Positionen zu den Anschlagsplänen einnehmen.

In dem im April begonnen Prozess haben nun alle vier Angeklagten die Anschlagspläne gestanden. Selek berichtete, wie er ebenso wie die anderen Verdächtigen an Ausbildungslagern im afghanischen Grenzgebiet teilgenommen hatte. Es sei aber ein Fehler gewesen, mit Anschlagsplänen nach Deutschland zurückzukehren. "Es ist nicht logisch, Krieg in ein Land zu tragen, in dem es keinen Krieg gibt." Er bereue, Taten begangen zu haben, die nicht mit dem Koran in Einklang stünden. Anschläge schadeten dem Islam. "Ich würde heute die Entscheidung so nicht mehr treffen, in den Dschihad zu gehen."

Die "Sauerland-Gruppe" hatte nach Aussagen ihrer Mitglieder vor ihrer Festnahme im Herbst 2007 eine Serie von Anschlägen in Deutschland geplant. Unter anderem sollte damit der anstehende Bundestagsentscheid über die Verlängerung des Bundeswehr - Einsatzes in Afghanistan beeinflusst werden. Der Hauptangeklagte Fritz Gelowicz und sein Komplize Adem Yilmaz hatten die Pläne bereits eingestanden. Yilmaz hatte anders als die anderen Angeklagten betont, sein Ziel sei es weiterhin, als Märtyrer für den Islam zu sterben. Gelowicz hatte vor Gericht bereits ausgesagt, Selek habe nicht wirklich zur Gruppe gehört und sei lediglich "ein Helfer" gewesen. Selek hatte unter anderem geholfen, Zünder für die geplanten Autobomben zu besorgen. Gelowicz selbst hatte gesagt, er würde sich heute einem Anschlagsbefehl nicht mehr beugen.

Er habe in den "Dschihad" ziehen wollen und Attentate auf US-Basen in der Bundesrepublik vorbereitet, sagte der 23jährige Schneider weiter. "Ramstein und Kaiserslautern waren meine Ziele", räumte er ein. Anders als seine Mitangeklagten Gelowicz und Yilmaz habe er sich aber nicht an Anschlägen auf Diskotheken beteiligen wollen, in denen auch US-Soldaten verkehrten. Dies seien keine "militärischen Ziele". Schneider räumte zudem ein, bei den Planungen für die Anschläge in Deutschland "vom Islam verdammt wenig gewußt" zu haben. Die Angeklagten hoffen, mit ihren Aussagen den Prozess zu verkürzen und angesichts ihrer Geständnisse geringere Strafen zu erhalten.

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