Mutmaßlicher Bombenleger gefasst
Bürger müssen nun mit der Angst leben

Die Fahndung nach dem Komplizen des am Wochenende festgenommenen mutmaßlichen Bombenlegers läuft auf Hochtouren. Doch selbst wenn er ebenfalls schnell gefasst wird, lässt sich eines nicht mehr verdrängen: Der Terrorismus ist in Deutschland angekommen, die Gefahr ist alles andere als gebannt.

HB BERLIN/KARLSRUHE. Nur einen Tag nach der öffentlich aufgenommenen Fahndung konnte die Generalbundesanwältin Monika Harms am Samstag in Karlsruhe ihren bislang größten Erfolg verkünden: Die Festnahme eines mutmaßlichen Bombenlegers, der zusammen mit einem Komplizen zwei Regionalzüge nach Koblenz und Hamm in die Luft jagen wollte. Der rasche Erfolg spricht für die Professionalität der Ermittler, wirkt aber für die Bundesbürger keineswegs beruhigend.

Der Terrorismus ist endgültig da. Madrid 2004, London 2005 und 2006 bezeichnen nur wenige der zahlreichen Orte weltweit, an denen nach dem 11. September 2001 Anschläge verübt oder versucht wurden. Die Sicherheitspolitiker aller Parteien betonten bisher, dass Deutschland Teil des weltweiten Gefahrenraums sei, auch wenn es keine konkreten Hinweise für Anschlagpläne gebe. Diese Einschätzung könnte sich jetzt allerdings ändern. Für den Bundesbürger könnte das heißen, dass auch er mit dem Risiko eines Terroranschlags leben muss.

„So nah war die Bedrohung noch nie“

Monika Harms warnt nach der jüngsten Festnahme trotz der üblichen vorsichtigen Formulierung deutlich: „Die Umstände begründen den Verdacht, dass weitere und bislang unbekannte Personen sich dauerhaft zu einer Vereinigung zusammengeschlossen haben, um schwere Gewalttaten in der Bundesrepublik Deutschland zu verüben.“ Kurz zuvor hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) betont, dass die Gefahr einer Wiederholung bestehe und nach der Festnahme festgestellt: „So nah war die Bedrohung noch nie.“

Bislang sind noch viele Fragen zum Hintergrund der misslungenen Anschläge offen. Die Ermittler zeigen sich ebenso verschlossen wie die Generalbundesanwältin. Bei der Überprüfung der Kofferbomben wiesen Spuren nach Libanon, ein arabisch beschriebener Zettel, ein Tütchen Speisestärke von einem libanesischen Hersteller. „Wir halten es für möglich, dass Täter Signale mit Blick auf den Nahen Osten setzen wollten“, sagte der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke. Und auch Harms verriet lediglich, der nun Festgenommene habe sich kurz vor der erfolgreichen Anti-Terror-Aktion „absetzen“ wollen. Die Gefahr sei jedenfalls noch nicht gebannt, sagte Ziercke. „Wir wissen nicht, wie der zweite Tatverdächtige reagieren wird.“

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