Mutmaßlicher Kofferbomber
Angeklagter identifiziert sich auf Überwachungsvideo

Im Düsseldorfer Prozess gegen den mutmaßlichen „Kofferbomber“ von Köln hat der Angeklagte sich und seinen im Libanon verurteilten Komplizen auf Videobildern identifiziert. Ein Geständnis will er trotzdem nicht ablegen.

HB DÜSSELDORF. „Er wird sich im Januar zu der Sache erklären, aber es wird keine Geständniserklärung sein“, sagte Bernd Rosenkranz, Verteidiger von Youssef a.- H.D., am Mittwoch am Rande des zweiten Prozesstages im Düsseldorfer Oberlandesgericht. D. und sein Komplize Jihad H. hätten die Bomben so konstruiert, dass sie nicht explodieren konnten. „Sie haben wichtige Dinge absichtlich weggelassen.“ Er denke zudem darüber nach, für D. nach Ende des Düsseldorfer Prozesses in Deutschland einen Asylantrag zu stellen.

Der 23-jährige Libanese war am Dienstag zeitgleich mit dem Beginn des Prozesses in Düsseldorf im Libanon in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. „Er war gestern sehr aufgewühlt, auch wegen der Tatsache, dass er nicht mehr in seine Heimat zurück kann“, sagte der Anwalt. H., der sich in den Libanon abgesetzt hatte, war dort am selben Tag zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Am zweiten Prozesstag bestätigte D., er sei auf mehreren Videos zu sehen, die am 30. und 31. Juli 2006 auf dem Kölner Hauptbahnhof von Überwachungskameras aufgezeichnet worden waren. Sie zeigen ihn und H. unter anderem mit Koffern auf dem Bahnsteig, von dem sie in die beiden Regionalzüge stiegen, in denen sie die Bomben platziert haben sollen.

Der 23- jährige Libanese erklärte auch, warum er damals ein Trikot der deutschen Fußball-Nationalelf mit der Nummer 13 von Kapitän Michael Ballack trug: „Mir gefällt seine Spielweise. Er spielt sehr gut“, sagte der wegen vielfachen Mordes angeklagte Youssef el H. am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgerichts.

Als Zeuge berichtete der damalige Ermittlungsführer des Bundeskriminalamts (BKA), wie die Polizei den „Kofferbombern“ auf die Spur kam. Die Strecken beider Züge, in denen die Bomben entdeckt wurden, hätten sich nur in Köln gekreuzt und dort jeweils drei gleiche Bahnhöfe angefahren. Weil beide Züge am Tattag binnen weniger Minuten von Gleis drei des Kölner Hauptbahnhofs abgefahren waren, habe man zuerst die dortigen Kamerabilder ausgewertet.

Dabei seien die beiden Libanesen mit ihren Koffer-Trolleys aufgefallen. Sie hätten gemeinsam die Vorhalle des Bahnhofs betreten, sich an einen Ticketschalter begeben und dann in einigem Abstand, ohne Blickkontakt aufzunehmen, den Bahnsteig betreten. Der Angeklagte erklärte auf die Frage, ob er den Regionalzug um 13.00 Uhr nach Koblenz bestiegen habe, dies wisse er nicht mehr.

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