Mutmaßlicher KZ-Wachmann
Demjanjuk-Verteidiger fordert Freispruch

Im Prozess gegen den mutmaßlichen KZ-Wachmann Demjanjuk dringt die Verteidigung auf Freispruch. Ihr Mandant sei unschuldig, betont der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft dagegen fordert eine Haftstrafe von sechs Jahren.
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MünchenAuf die Frage nach seiner Forderung an das Landgericht München sagte Demjanjuks Anwalt Ulrich Busch am Dienstag vor Beginn der Verhandlung: "Freispruch, Haftentlassung, Haftentschädigung, wenn nicht Revision." Sein Plädoyer werde voraussichtlich mindestens drei Verhandlungstage und damit bis Donnerstag dauern. Danach wird das Urteil erwartet.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Ukrainer Beihilfe zum Mord an mindestens 27.900 Menschen vor und fordert eine Haftstrafe von sechs Jahren. Der mittlerweile 91-Jährige soll als Kriegsgefangener den Nazis im Vernichtungslager Sobibor im heutigen Polen als Wächter gedient und dort Juden in die Gaskammern getrieben haben.

Busch bekräftigte, sein Mandant sei unschuldig. "Die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger haben keinen einzigen Beweis für eine Schuld meines Mandanten vorgetragen." Es gebe keinen Beweis für seine Anwesenheit in Sobibor noch die Beteiligung an Nazi-Verbrechen. Dementsprechend werde es von Demjanjuk, der nach dem Zweiten Weltkrieg lange in den USA lebte, auch keine Entschuldigung geben.

Im vermutlich letzten großen Prozess um Nazi-Verbrechen hatte sich der Angeklagte, der die Sitzungen stets in einem eigens im Gerichtssaal aufgebauten Bett verfolgt hat, selbst als Opfer präsentiert. Die Nazis hätten ihn gezwungen, ihnen als Wachmann zu dienen. Ansonsten wäre er erschossen worden oder verhungert, hatte er erklärt.

Der einst meistgesuchte Kriegsverbrecher war im Mai 2009 von den USA ausgeliefert worden und sitzt seitdem in München in Untersuchungshaft. Für die Staatsanwaltschaft spricht sein Dienstausweis für eine Anwesenheit in Sobibor. Dort habe er sich dann 1943 bereitwillig am Massenmord der Nazis beteiligt, obwohl er auch hätte fliehen können, hieß es im Plädoyer der Anklage. Verteidiger Busch hält den Dienstausweis dagegen für eine Fälschung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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